Paula & Karla Irrliche - Startseite

Annemarie Arndt

Drei kurze Theaterstücke über das BürgerInnentum im 21. Jahrhundert

Kontakt: 3.Jahrtausend@gmx.net (Nur Hubbs, die im Betreff das Wort "Brombeere" stehen haben werden beachtet, andere Hubbs werden als Spam aussortiert.)



Theaterstücke

Drei kurze Theaterstücke über das BürgerInnentum im 21. Jahrhundert
- Reader mit allen im folgenden einzeln aufgeführten Theaterstücken -
als PDF (A4) und als ODT-Version.



Bleib sauber!
- Ein Theaterstück zur Erziehung des neuen bürgerlichen Subjektes - die Kinder sind unsere Zukunft -
als HTML, als PDF und als ODT.


Was Ihr wollt
- Ein Famielienidyll -
als HTML, als PDF und als ODT.


fit for fun
- Weiterbildung für die neuen Berufsperspektiven -
als HTML, als PDF und als ODT.











Erstausgabe 2001
Spiegelung & Verbreitung der Texte sind ausdrücklich gewünscht
Anarchistische Literatur, Lyrik, Texte und Theaterstücke
für das 21. Jahrhundert
HerausgeberInnengemeinschaft
Paula & Karla Irrliche
Seit 2001


Seitenanfang


























Links zum Thema Theater, soziologische Blicke auf Theateretexte und Filmmitschnitte

Der Untergrund des Schreibens

Theater als Ort der politischen Kritik ist vor allem dort wirkmächtig, wo es als Raum in dem das Mythische erfahrbar ist, eben Mythen des Alltags dekonstruiert. Dies können Mythen über das Weibliche sein, durch die Geschichte mäandernde Artefakte der Geschlechterverhältnisse als Teil der Herrschaftsverhältnisse, Kindheitskonstruktionen u.a.. Im Theaterspiel wird das Unbewußte zur Sprache gebracht in der Lücke zwischen Text und Darstellung. Das Spiel ist immer mehr als nur Text. Zum Teil findet dies seine Fortsetzung im Film, dort wo dieser mit der Lücke spielt.


Theorietexte

- thealit - Frauen.Kultur.Labor. - Das Frauen.Kultur.Labor hat über die Jahre immer wieder Grenzbereiche und ihre Überschreitungen produktiv für tiefergehende Fragen genutzt.

- Gerburg Treusch-Dieter - Ausgewählte Schriften - Eine feministische Theoretiker, die die durch die Geschichte(n) in den Diskursen immer wieder neu sich zeigenden und immer anders positionierten Artefaktsplitter, die Bilder und Abbilder der Geschlechterverfältnisse, in einer Art archäologischen Theoriearbeit, bezogen besonders auf Theatertexte, analysiert und seziert (unter Bezug auf Michel Foucault).

- Doris Koller - Entmythisierung des Alltags - Eine anlytische Betrachtung des Hörspielwerkes Elfriede Jelineks 1972-1992.

- Andrew David Scahill - Malice in Wonderland: The Perverse Pleasure of the Revolting Child hier anders? - In den Theaterstücken von Annemarie Arndt dienen Kinder gerade als Spiegel der Normalsierungsgessellschaft, Hohlspiegel, die die Verhältnisse zuspitzen. Kindheitskonstrukte in Film und Theater werden aber zum Teil auch als Verortung des Anderen der Gesellschaft, des Ausgegrenzten, des Bedrohlichen konzipiert. Gemeinsam ist beiden, dass es ihnen nicht um wirkliche Kinder, sondern um Kindfiktionen geht, die Kindheit als Projektionsfolie nutzen - also Kinder als unbeschriebenes Blatt beschreiben, wobei beide mit der Unberechenbarkeit des Unbeschriebenen spielen.

Theaterstücke

- Spectaculum 31 - Fünf moderne Theaterstücke - Theaterstücke von Herbert Achternbusch, Dario Fo, Barrie Keeffe, Bodo Kirchhoff, Heiner Müller, die alle auf ihre Weise den Einbruch des Nichtausgesprochenen in die Realität betreiben.

- Dario Fo - Zufälliger Tod eines Anarchisten: Accidental Death of an Anarchist by Budhan Theatre In Conflictorium - Filmmitschnitt / DLF Feature - 1001 Kriminelle Das Budhan Theater der Chharras / Busan English Theatre Association's production of 'Accidental Death of an Anarchist' - Filmmitschnitt - Das Schauspiel: Zufälliger Tod eines Anarchisten, zeigt politisches Theater, das, obwohl positioniert, nicht simplifiziert. Die Aufführungen des Budhan Theater zeigen die Aktualität des Stoffes und entlassen das Lachen aus der Gefangenschaft der Lächerlichkeit.

Filme

- De Stilte Rond Christine M. - Die us-amerikanische Feministin Ti Grace Atkinson spricht in ihren Texten vom Krieg gegen Frauen, den diese ausblenden. Der fiktive Film zeigt eine Gruppe ganz alltäglicher Frauen, die irgendwann einfach davon genug haben - und sich wehren. Welche Gründe gibt es für eine Gruppe Frauen, die sich vorab nicht kannten, gemeinsam einen ganz normalen Mann, den sie vorab nicht kannten, zu töten?

- Himitsu no Hanazono (My secret cache / Mein geheimer Garten) - Japan 1996 - Regie: Shinobu Yaguchi - Was passiert, wenn jemand den Kult um das Geld ganz unverstellt real als Kult praktiziert. Ein abstrus witziger fiktiver Film aus Japan über eine junge Frau, deren Lieblingsbeschäftigung Geld zählen (und besitzen) ist. Ein wunderbar irritierender Blick auf die kapitalistische Gesellschaft.


















Copyright für alle hier publizierten Texte von Annemarie Arndt: CC 00



Public Domain

Copy & Paste!

Die Texte von Annemarie Arndt dürfen beliebig abgeschrieben, abgedruckt, zitiert, gespiegelt, weiterverwendet werden. Wer das tun will: nur zu! Bitte schickt falls möglich ein Belegexemplar / einen Link an die HerausgeberInnengemeinschaft Irrliche. Wir freuen uns auch, wenn die Quelle angeben wird und über eine Verlinkung. Bei Angabe der Autorin bitte keine Textänderungen ohne Absprache vornehmen. Für Leute, die es - warum auch immer - rechtlich verbindlich haben wollen. Diese Texte sind vollständig gemeinfrei. Sie stehen unter der
Lizenz Creative Commons Zero (CC 00) - https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/ - This work is licensed under a Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication International License -.








Impressum: Paula & Karla Irrliche















Zuletzt aktualisiert 30.10.14





Theaterstücke über das Bürgertum


































Der sadomasochismtische Genuß von kritischen Theaterstücken durch das BürgerInnentum


In Theaterstücken wird nicht selten der Sadomasochismus des BürgerInnentums dargestellt. Die Kritik der Bürger und Bürgergrinnen in den aufgeführten Theaterstücken führt aber nicht zu Handlungsänderungen, im Gegenteil scheint das BürgerInnentum aus dem Konsum dieser Theaterstücke Kraft zu schöpfen, um die alltägliche gelebte Perversion fortzusetzen.

Insbesondere scheint dies für die, das BürgerInnentum scharf kritisierenden, Theaterstücke von Elfriede Jelinek zu gelten. Offensichtlich werden diese Stücke nicht trotz, sondern wegen ihrer scharfen Kritik am BürgerInnentum besucht. Die Theaterstücke scheinen den BesucherInnen aus dem BürgerInnentum eine Karthasis vergleichbar einem Orgasmus zu ermöglichen.
Wie kann das sein, daß ausgerechnet Theaterstücke, die die Bürger und Bürgerinnen auf das schärfste attackieren, von diesem mit Genuß zelebriert werden?

Vielleicht ist gerade der Sadomasochismus des BürgerInnentums die Grundlage dieses Theatergenusses.

Gerade auf Grund des Sadomasochismus des BürgerInnentums sind diese Theaterstücke, die das BürgerInnentum kritisieren, für die Bürger und Bürgerinnen ein Genuß. Die Theaterstücke, bzw. das Aufsuchen der Theater, um diese Theaterstücke zu betrachten, muß selbst als Teil der sadomasochistischen Praxen des BürgerInnentums begriffen werden.

Elfriede Jelinek wird im österreichischen Wien von den Bürgerinnen und Bürgern auf Grund ihrer Theaterstücke als intellektuelle Domina gleichzeitig begehrt und gehaßt.
Die Theaterstücke sind harte Kritiken des BürgerInnentums, und gerade der Sadomasochismus der Bürger und Bürgerinnen wird in diesen Theaterstücken ausgestellt. Jelinek spießt das österreichische BürgerInnentum in ihren Theaterstücken mit bitterer Lust auf. Und genau dies scheint den Bürgerinnen und Bürgern an ihren Theaterstücken besonders zu munden. Können die Bürger und Bürgerinnen doch genau in der Selbstschau und im Konsum des Ekels vor sich selbst, der in den Theaterstücken transportiert wird, den bürgerlichen Sadomasochismus auf kulturell hochstehendem Niveau ausleben.
Das Theater wird damit von der moralischen Anstalt zu einer Art pornographischen Bühne, auf der die Theaterstücke als Striptease des BürgerInnentums von eben diesem BürgerInnentum mit Genuß konsumiert werden.

Ein Problem der Jelinek'schen Theaterstücke liegt damit gerade darin, daß sie im Theaterstück Distanzierung unterminiert und die Teilhabe am Ekel erzwingt. Damit werden die Theaterstücke für die Bürger und Bürgerinnen aber selbst zu einer Folie sadomasochistischer Lust.

Auch TheaterregisseurInnen bieten diese Theaterstücke damit die ideale Folie für eine dauerhafte perverse Bindung des BürgerInnentums, und damit des zahlenden Publikums, an das Theater.
Das bürgerliche Publikum kauft hier den eigenen Seelenporno.


Anna Irrliche, 2008