Anna Chii

Anna Chii

Monster



Im Monströsen liegt auch die Utopie






Die Wahrheit über die Monster. Die Wahrheit ..

Lyn lächelte, sie war traurig und doch fühlte sie sich leicht wie nie zuvor. Der erste Satz gefiel ihr. Die Wahrheit über die Monster, sie würde alles aufschreiben, für ihre Eltern, obwohl sie sich sicher war, dass sie kein Wort von dem, was sie schrieb, verstehen würden. Sie schrieb es mehr, um ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Ihre Eltern und Freundinnen und Freunde sollten wenigstens eine Chance gehabt haben, zu verstehen.
Wieder traf sie das traurige Lächeln in ihrem Gesicht.
Dann wischte sie es bei Seite. Sie pfiff leise einige Töne vor sich hin.
Sie würde am Anfang anfangen.
In der ersten Nacht, als die Monster sie das erste mal besuchten.

Sie erinnerte sich an den Tag davor noch gut.

Auf dem Weg zur Universität war ihr diese Werbeplakat aufgefallen - 'Yes you can', eine Frau Mitte Dreißig, der drei smarte Männer nachstarrten, Reklame für ein aktuelles Anti-Aging-Produkt -. Dann verwandelten sich die Männer in riesige Penisse, die hinter der Frau herhüpften, bevor sie zusammenstiessen und aufeinander losgingen. Sie begannen sich gegenseitig aufzufressen. Nach einer kurzen Pause krochen die Überreste der Penisse wieder auf die Frau zu. Angewidert warf die Frau die Antiagingkreme in eine Müllpresse. Die Penissreste hüpften erregiert der Kremtube hinterher.
Dann war da wieder nur noch das Plakat.
Lyn rotzte auf die Strasse. Das NIEMALS musste deutlich auf ihrer Stirn zu lesen gewesen sein.

Am Nachmittag hatte sie aushilfsweise in der Universitätsbibliothek gearbeitet. Wieder einmal gelang es ihr nicht die Zeit auzufüllen, die meiste Zeit langweilte sie sich. Was sollte sie hinterher in den Stundenzettel eintragen. Und dann hatte die stellvertretende Bibiotheksoberassistentin sie auch noch bei Seite genommen. Freundlich sah sie Lyn an. "Beratungsgespräche sind nicht Deine Aufgabe."
Lyn sah die Frau überrascht an: "Ich wollte nur .."
Die stellvertretende Biliotheksoberassistentin, nenn mich Barbara, stoppte sie mit einer Geste ihrer Hand. "Beachte bitte die Aufgabenteilung. Wir sind doch bisher gut miteinander klargekommen."
Lyn nickte.
Irgendwann musste sie kurz eingeschlafen sein. Im Traum hatte eine unabhängige Evaluationskommission beschlossen, dass um die Effizienz der Bibliothek zu steigern, jeder Arbeitsschritt im Prozess evaluiert werden müßte. Lyn musste jede Tätigkeit in einer Tabelle einzeln aufführen, die Zeit notieren, die sie aufgewandt hatte und den Datensatz mit der entsprechenden Tätigkeitskennzahl verbinden.
Lyn notierte:
Tür aufgeschlossen (30 Sekunden) = TKZ24/5/1,
Licht angestellt (25 Sekunden) = TKZ19/7/5A,
WC-Tür geschlosssen (114 Sekunden) = TKZ18/3/0.
Dies nahm einen Großteil ihrer Arbeitszeit in Anspruch. Zeitabweichungen vom Normdurchschnitt waren begründungspflichtig. Sie musste regelmäßig solche Begründungen ausfüllen, da ihre Gespräche mit den Bibliotheksnutzerinnen und -nutzern laut Tabelle entweder 92 Sekunden zu lange oder 31 Sekunden zu kurz dauerten.
Und nun das, das hatte sie heute in ihrem Fach gefunden mit dem üblichen besten Wünschen der Leitung. 'Das Evaluationsprotokoll Nr. 17/4/g wurde eingeführt um Ihnen eine Hilfestellung bei der effizienten Bearbeitung der prozessualen Evaluationsprotokollführung an die Hand zu geben.
Bitte füllen Sie die anliegenden Bögen sorgfältig aus.'
Die Leitung wollte wissen, weshalb sie soviel Zeit für die Evaluationsprotokollführung brauchte, 'um Sie beser unterstützen zu können'. Deshalb musste sie nun die nächsten 10 Arbeitstage auch ihre Protokollführung in einem Evaluationsprotokoll protokollieren.
Irgendwie kamen Lyn selbst im Traum diese neuen schlanken Managementmethoden sinnlos vor. Doch Katja, eine Bekannte aus ihrem Studium, die auch in der Bibliothek arbeitete, schüttelte nur den Kopf. "Du musst Dich einfach nur an die Ablaufprotokolle halten. Das ist ganz einfach. Und falls Du nicht genug Tätigkeiten an einem Tag nachweisen kannst, räumst Du einfach einige Bücher in die Zwischenablage und danach sortierst Du sie wieder ein. Am besten nimmst Du dafür die Lexika, die direkt neben der Zwischenablage stehen. Die kannst Du am einfachsten wieder einsortieren. Du nimmst einfach immer nur Bände, die hintereinander stehen. Und Du hast auf diese Art und Weise immer viele Tätigkeitspunkte."
Dann sah sie Katja mit riesigen Lexika, die größer als Katja waren, durch den Raum wanken. Dabei grinste Katja ihr die ganze Zeit zu.
Lyn schrie auf. "Aber, das ist doch völlig sinnlos?"
Der eigene Schrei weckte sie aus ihrem Traum.
"Was ist sinnlos?" Die stellvertretende Bibliotheksoberassistentin, nenn mich Barbara, stand vor ihr. Lyn sah sie an. "Entschuldigen Sie, ich war etwas abwesend."
Babara zeigte ein schmales Lächeln. "Wir Duzen uns hier alle."

In dieser Nacht kamen die Monster das erste mal zu ihr. Lyn war gerade eingeschlafen, als sie auf einmal aus den Wänden traten.
Sie waren in etwa so groß wie Lyn, manche ein bisschen größer, manche kleiner, mache dicker, mache dünner, alle über und über behaart.
Die Monster huschten an ihr vorbei.
Lyn zog sich in eine Ecke ihres Bettes zurück. Trotzdem berührte sie hin wieder ein Monster mit feuchtem und behaartem Pelz, aber nur um dann schnell wieder wegzuhuschen.
Die Monster kuschelten aneinander und stoben dann wieder auseinander. Neugierig schnüffelten sie im Raum und betrachteten schüchtern aus der Entfernung Lyn.
Lyn spürte, dass sie zitterte, aber auch ein Kribbeln im Unterleib.
Einen Moment hatte sie fast Lust, sich selbst feucht anzukuscheln. Doch sie traute sich nicht.
Irgendwann war sie eingeschlafen.
Als sie aufwachte waren die Monster verschwunden.
Sie lebte allein in dieser Wohnung - bisher. Und nun, waren da also diese Monster.
Aber vielleicht waren auch die Monster schon lange vor ihr da gewesen. Gesehen hatte sie sie aber bisher nie.

Auf dem Weg zur Universität wollte Lyn sich im alternativen Kulturzentrum noch eine Eintrittskarte für die Abendveranstaltung am übernächsten Tag holen.
Ein Mann aus dem Organisationsteam des alternativen Zentrums beugte sich gerade zu der jungen Frau, die hinter dem Tresen saß, als Lyn in das Büro trat. Angewidert sah er auf den Arm der Frau. "Iiiih Du hast ja Haare auf dem Arm, wo hast Du denn noch überall Haare.
Stehen Frauen auf sowas? Bist Du vom anderen Ufer?"
Der Mann lachte.
Die junge Frau ging nicht darauf ein, sie wandte sich an Lyn. "Was kann ich für Dich tun?"
Lyn sagte gar nichts. Dann merkte sie wie ihr schlecht wurde.
Der Mann drehte sich zu einem jungen Mann mit krausem Haar und dunkler Hautfarbe um, offensichtlich ein Praktikant. "Na, Ihr Kaffer habt doch auch alle Haare auf der Brust, oder?"
Der Praktikant wirkte verunsichert. "Nein."
Der Mann lachte wieder künstlich. "Na, komm zeig mal? Zieh doch mal Dein Hemd aus, ich glaub Dir das nicht.
Aber nee, lass mal gut sein.
Aber denk jetzt nicht ich wäre ein Rassist, das war nur ein Witz."
Er deutete mit dem Kopf in Richtung der jungen Frau und sah dabei auch Lyn an. "Lena versteht meine Witze auch."
Die junge Frau lachte pflichtbewußt.
Lyn spürte wie ihr die Kotze hoch kam. Sie kotzte dem Mann zuerst auf die Hose und als er den Mund öffnete um etwas zu sagen, kotzte sie ihm direkt ins Gesicht.
Dann nickte sie der jungen Frau und dem jungen Mann noch einmal freundlich zu und verlies das Kulturzentrum ohne Eintrittskarte.
Der Tag verlief ereignislos.
Als Lyn am Abend ihre Eltern besuchte, saß ihre Mutter vor dem Fernsehapparat. Sechs alte Männer und eine mittelalte Frau diskutierten in einer Talkrunde über Jugendgewalt. Ein Anzugträger forderte Kindern nach dem zweiten Ladendiebstahl eine Hand abzuhacken, 0-Tolleranz und harte Strafen wären die einzige funktionierende Strategie.
Lyn sah ihre Mutter nicken.
Sie machte sich bemerkbar. "Wäre es nicht besser den Kopf abzuhacken?"
Ihre Mutter blickte erstaunt auf. "Aber, das überleben die Kinder doch nicht. Obwohl, wahrscheinlich hast Du recht, die bleiben sowieso kriminell, ..."
Lyn schüttelte nur schweigend den Kopf und verabschiedete sich still. Ihre Mutter rief ihr hinterher: "Was hast Du jetzt wieder?"

Nachts kamen die Monster wieder. Kaum war Lyn eingeschlafen, da hörte sie Geräusche. Diesmal hüpften die Monster ausgelassen über ihre Möbel. Als wollten sie Lyn zum Spielen auffordern. Dann saßen sie erschöpft im Zimmer herum.
Eines der Monster saß direkt neben Lyns Bett. Sie berührte es, das Monster mochte das, es sah Lyn aus großen Augen an. Lyn konnte nicht wiederstehen, sie lehnte ihren Kopf kurz an den nassen Pelz des Monsters und spürte wie ihn die feuchten Haare umfingen.
Dann musste sie eingeschlafen sein.

Am Morgen rief ihr Bekannter Tobias völlig aufgelöst an. Sie suchten Clarissa, die WG-Mitbewohnerin von Tobias, als Terroristin.
Sie hatte vor einer Videokamera im Bahnhof aus Spass ein bisschen Theater gespielt und dadurch einen Einsatz der Sicherheitdienste ausgelöst, dabei wurde eine junge Frau als Verdächtige von einem der zivilen Gewaltpräventionskommandos erschossen und auch ihr kleines Kind kam dabei ums Leben.
Die Frau hatte ein Kopftuch getragen und in einem Kinderwagen liessen sich auch Bomben transportieren.
Als klar wurde, dass die Frau unschuldig war, hatte die Polizei Clarissa als zentrale terroristische Provokateurin für den Vorfall identifiziert. Schliesslich war es auf Grund der neuen Aufenthaltsverordnung § 12b Absatz 2 für öffentliche Räume ausdrücklich verboten sich im Überwachungsbereich einer Kamera mutwillig verdächtig zu verhalten.
Die Polizei hatte frühmorgens um 5.10 Uhr die WG gestürmt und alle gezwungen sich nackt auf den Boden zu legen. Die Polizisten hatten sich dann ausführlich über die körperlichen Vorzüge und Nachteile der am Boden liegenden ausgetauscht. Clarissa war nicht da. Sie beging zwei Tage später Selbstmord. Das Gericht sah darin ein Schuldeingeständnis.
Eine Komilitonin von Lyn fand es richtig, hart durchzugreifen, schließlich waren die Kameras für die Sicherheit aller da. Lyn hatte an diesem Tag das sichere Gefühl, dass die Kameras hinter ihrem Rücken nach ihr schnappten, doch sobald sie sich umdrehte, hingen sie nur harmlos in ihren Ecken herum.
In der Mensa traf sie Marius. Er war mal wieder aggressiv gestimmt. "Das Bachelor/ Mastersystem ist eine Erfindung mittelmäßig begabter Reaktionäre um ihre führende Position im wissenschaftlichen Establishment abzusichern und die Intelligenz draußen zu halten."
Lyn lachte. "Ach, und die Intelligenz bist Du?"
Marius sah sie kalt an. "Siehst Du das anders?"
Lyn zuckte mit den Schultern. "Meinst Du wirklich, dass vor Einführung des Bachelor/Mastersystems an der Universität die Intelligenz in den führenden Positionen war? Ich meine Ausnahmen gab es sicher, in denen auch mal eine intelligente kritische Wissenschaftlerin eine Professur bekommen hat."
Weiter hinten in der Mensa saß ein Pulk von Studierenden um einen Professor und Institutsleiter herum, der zwei Tage zuvor im Fernsehen von Günther Jauch interviewt worden war. Bei jedem seiner Sätze floss reichlich Speichel. Als er einen Witz machte lachte eine Frau, die auf der Fensterbank direkt hinter dem Professor saß, so hysterisch, dass sie aus dem Fenster fiel und sich dass Genick brach. Ihr Platz auf der Fensterbank wurde sofort von einer anderen Studentin eingenommen.
Unten auf dem Pflaster wischte der Aushilfshausmeister die Blutlache weg.
Studierendenalltag.

In dieser Nacht kamen die Monster nicht und Lyn heulte die Kissen nass. Dabei war sie doch soviel Nächte allein gewesen.

Am Nachmittag des folgenden Tages erhielt Lyn die zweite Abmahnung von ihrem Studiencoach. "Sie sind doch eine intelligente junge Frau?
Wie kommen Sie nur darauf immer eigenständige Formulierungen zu verwenden?
Wieso schreiben Sie nicht einfach genau das, was in den Scripten steht?
Falls Sie so weiter machen, werden Sie sich hier nicht mehr lange aufhalten.
Früher, früher war das möglich, aber heute werden Studierende wie Sie, frühzeitig von der Automatik des Campusmanagementsystems als Problemfälle erkannt.
Deshalb bin ich ja da, um Ihnen zu helfen.
Aber da Sie sich nicht helfen lassen wollen."

Lyn zog den Mund zusammen. "Ich dachte, die Universität .."
Der Coach schnitt Ihr das Wort ab. "Genau das ist Ihr Problem. Sie denken zuviel, anstatt einfach zu tun, was von Ihnen erwartet wird.
Sie verhalten sich dumm.
Und Sie werden die Konsequenzen tragen müssen."

Lyn zuckte mit den Schultern nahm ihre Sachen und ging. Das Campusmanagementsystem, sie sah die vernetzten Computer vor ihren Augen, wie sie Studierende verarbeiteten - 'Nachdem Sie die Einstellungen im Customizing vorgenommen haben, können Sie einen Studenten anlegen. Das System erzeugt dann automatisch die folgenden drei Objekte:
* ein HR-Objekt mit dem Objekttyp ST
* einen Geschäftspartner
* ein Vertragskonto für den Geschäftspartner' -. In ihrem Kopf erschien das Bild eines grinsenden Programmierers, der mit Messer und Gabel Studierende zerteilte und die Stückchen fein säuberlich für den Versand in Tüten verpackte. Der Computer war die Materialisierung der perversen Wunschmaschine. Aber wer verstand eine solche Aussage heute noch. Deleuze/Guattarie standen nicht auf der Creditpoint relevanten Literaturliste.
Auf dem Flur traf sie Katja. "Hilf doch mit die Campusparty zu organisieren, dafür gibt es Creditpoints für Sozialkompetenz, die Du überall einbringen kannst. Bayer Crop Science als diesjähriger Sponsor- und Werbepartner der Universität sucht noch Helferinnen."
Sie sah Lyn nachdenklich an. "Du musst Dich nur ein bisschen aufhübschen."
Lyn schüttelte den Kopf. Für den Aufruf zum Widerstand gegen die Unterschriftenlisten in Vorlesungen und Seminaren würde sie vermutlich keine Creditpoints bekommen. Außerdem interessierte sich kaum wer dafür.
Katja sah sie skeptisch an. "Na ja. Du musst wissen was Du tust. Ich muss wieder los." Lyn sah Katja hinterher. Für einen kurzen Moment hatte sie den den Eindruck, das Katja sich in eine appart hüpfende gentechnisch optimierte Kartoffel verwandelte. Dann war Katja in einem Gang verschwunden.

Als Lyn auf dem Rückweg von der Universität nach Hause an einer Strasse stand und wartete, dass sie die Strasse überqueren konnte, erinnerte sie sich an Frau Gruur, ihre Klassenlehrerin aus der Grundschule zurück.
Frau Gruur war allen Kindern unheimlich gewesen. Sie tauchte immer urplötzlich aus dem Nichts hinter den Kindern auf. Ihre großen Augen bildeten hypnotische Spiralen. Und sie war alt, aber unglaublich stark. Einmal hatte sie einfach so einen Tisch in zwei Teile zerrissen, wie Papier. Jedesmal wenn ein Kind aus der Schule überfahren worden war, hatte sie sich vor den Kindern aufgebaut und sie hypnotisch angesehen. "Ihr müßt immer daran denken; Früher wurden ungehorsame Kinder vom Wolf gefressen, heute werden sie vom Autofahrer überrollt. Also gehorcht immer Eurer Lehrerin und tragt einen Helm. Helme helfen nicht gegen Wölfe aber gegen Autofahrer." Trotzdem hatte Lyn ihren Helm immer abgenommen sobald sie außer Sicht war. Und ihre Klassenkameradin Maria war trotz Helm vom Autofahrer überollt worden.
Ihre Tante Lara, die Schwester ihrer Mutter mit der ihre Mutter nur noch wenig sprach, weil sie sie für psychisch krank hielt, war der Überzeugung, dass das Problem im immer weiter zunehmernden Autoverkehr läge und in der Enteignung des öffentlichen Raumes durch die Strassenverkehrsordnung. Sie hielt die Helmpflicht für eine perverse Verschiebung der Schuldzuweisung auf die Opfer, "Autofaschismus!"
Aber ihre Tante war ja ein Psycho. Ihre Mutter gebrauchte diesen Ausdruck seit Lyn ein kleines Mädchen war. Einmal, mit 7 Jahren, auf dem Rückweg von ihrer Tante hatte Lyn ihre Mutter in die Seite gestubst und mit großen Augen gefragt: "Liebst Du Tante Lara?"
Ihre Mutter hatte Lyn umarmt. "Aber natürlich."
Darufhin hatte Lyn ihre Mutter freudestrahlend angelächelt. "Wenn ich groß bin, werde ich auch ein Psycho."
Den Rest des Weges hatte ihre Mutter sie vor sich her gestoßen.

Diese Nacht ging Lyn extra früh zu Bett und wartete. Sie hoffte, dass letzte Nacht eine Ausnahme gewesen war und die Monster diese Nacht wiederkommen würden.
Und tatsächlich, bald erschienen die Monster wieder. Auf Lyns Gesicht erschien ein Lächeln. Sie nahm all ihren Mut zusammen, stand auf, nur im Nachthemd, und setzte sich zwischen sie. Die feuchten Haare umfingen sie nun ganz. Lyn weinte.
Sie spürte wie eins der Monster sie zu trösten versuchte.
Sie umarmte es vorsichtig, nur kurz.
Das Monster sah sie aus dunklen Augen undurchschaubar an. "Wenn Du Dich mit uns abgibst, wirst Du behaart werden wie wir."
Lyn lachte. "Das macht nichts. Ich bin doch innen sowieso schon beharrt." Sie gab sich Mühe, sich ihre Angst nicht ansehen zu lassen. Doch sie ging zurück in ihr Bett.
Sehnsuch und Furcht mischten sich in ihrem Traum.
Am Morgen vermißte sie das erste mal die Monster auch am Tag.

Bevor sie sich auf den Weg zu Universität machte fiel ihr Blick auf das Wochenblatt. Ein Bericht über das Erdbebengebiet in den USA.
Die Sicherheitskräfte hatten zur Abwendung von Unruhen, Anarchie und Chaos bisher 347 Menschen erschiessen müssen, die Wasserflaschen aus den Supermärkten stahlen und weitere Gesetzesübertretungen begingen. Die Menschen fingen einfach an sich selbst zu versorgen und sich gegenseitig zu helfen ohne sich um Bestimmungen und Gesetze zu kümmern. Sie hatten sogar gemeinschaftlich fremdes Eigentum besetzt, die noch intakten Vorortvillen, die das Beben überstanden hatten und deren Besitzer sich außerhalb des Krisengebietes in Sicherheit gebracht hatten.
Der Präsident gab seine tiefe Betroffenheit zum Ausdruck. Aber um die Versorgung sicherzustellen, musste zuerst dem Gesetz wieder Geltung verschafft werden. Solche Gesetzesübertretungen konnten nicht geduldet werden. Die US-Army setzte Kampfhubschrauber ein. Lyn musste bitter lachen, natürlich stand dies nicht dort, nur etwas von erschossenen Plünderern. Schließlich mussten Menschen, die erschossen wurden, ja etwas verbrochen haben, sonst wären sie ja nicht erschossen worden.
So würde zumindest ihre Muter argumentieren.

Am späten Mittag ging Lyn zum Wohngeldamt. Sie wartete inzwischen schon 7 Monate auf ihren Wohngeldbescheid.
Der Beamte sah Lyn verschwörerisch an. "Tut mir leid, aber seit hier die Unternehmensberatung war, sind wir verpflichtet alles genau nach Vorschrift zu erledigen, alles ist genau festgelegt." Er zuckte mit den Schultern. "Früher war Dienst nach Vorschrift eine Streikform."
Lyn nickte. "Aber wieso hat ihre Kollegin dann meinen Antrag abgelehnt?"
Der Beamte versenkte seinen Blick in den Unterlagen. "Das ist die einzige Art um unter diesen Bedingungen überhaupt noch die Zahl der Anträge zu bewältigen. Die Vorschriften gelten auch für Sie als Antragstellerin und sie sind so kompliziert, dass eigentlich jede Antragstellerin gegen die Vorschriften verstößt. Dadurch ist eine Ablehnung laut Vorschrift eigentlich immer vorschriftsmäßig. Und unsere Kennzahlen haben sich dadurch massiv verbessert, da wir nun 95% aller Anträge pauschal ablehnen, konnten wir die Zahl der bearbeiteten Anträge um 40% steigern.
Ein Erfolg der Unternehmensberatung.
Bitte verstehen Sie mich, ich tue auch nur meinen Job.
Widersprüche werden als schwierige Fälle zuletzt bearbeitet."

Auf dem Weg nach draußen erwischte Lyn die falsche Tür. Sie stand mit einem mal in einem halb abgedunkelten Büro. Der Angestellte hatte sich offensichtlich selbst mit schwarzen Lederfesseln und einer Metallkette an den Schreibtisch gefesselt und liess über eine selbstgebaute Mechanik einen riesigen schwarzen Aktenordner mit der Spitze in seinen nackten Arsch eindringen. Er stöhnte.
Lyn entschuldigte sich und suchte den Ausgang.

Diese Nacht tollte Lyn mit den Monstern durch den Raum. Irgendwann saß sie mit einem der feuchten haarigen Wesen an der Wand, sie lehnten sich aneinander. Dann sah sie es, auf ihrer Haut bildete sich ein feuchter Flaum, ihr wuchs ein nasser leichter Pelz. Zuerst war sie verwirrt, dann sah sie woanders hin.
Und doch spürte sie jedes einzelne Haaar, seltsam prickelnd auf ihrer Haut. Da spürte sie die Zunge des Monsters neben ihr, die ihr den Pelz wusch.
Lyn musste lachen. "Das kitzelt."
Sie sprang mit einem Satz ins Bett und blickte zur Decke - die Haare sahen fast niedlich aus, mit diesem Gedanken schlief sie ein.
Am nächsten Tag war von dem Pelz nichts mehr zu sehen.

Wieder einmal ging sie trotz Aufforderung nicht zu 'ihrer' Frauenärztin. Was sollte sie da?Die Pille brauchte sie alleine nicht. Schon als junges Mädchen hatte sie den Gang zur Frauenärztin immer öfter verweigert. Ihr Körper war sie, wieso sollte sie sich enteignen lassen und eine Ärztin über ihr Wohlergehen entscheiden lassen?
Sie bestimmte selbst darüber, wie es ihr ging.
In einem Traum kroch die Ärztin zwischen ihren Beinen in sie hinein. Sie spürte, wie sie in ihrem Inneren herumlief und alles untersuchte. An einigen Stellen riss sie Lyn kurzer Hand Stücke aus ihrem Leib. "Das muss jetzt leider sein." Dann hatte Lyn nicht mehr an sich halten können, es floss einfach aus ihr heraus.
Die Pisse spülte die Ärztin mit hinaus und ins Clo. Und dann setzte sich aus irgeneinem Grund auch noch die Spülung in Gang.
Sie erwachte aus dem Traum gerade als der Richter sie für diesen abscheulichen Mord verurteilen wollte.

An der Haltestelle hörte sie an diesem Tag zufällig ein Gespräch mit.
"Mein Gott, ist die fett. Da würde ich mich nicht so anziehen."
,"Wieso, findest Du dicke Menschen häßlich?"
"Wie wieso? Das ist doch wirklich wahr."
"Na ja, zu Rubens Zeiten haben die Menschen das anders gesehen."
"Ja, aber ich lebe heute."
"Aber wem nutzt das, in wessem Interesse ist das?"
"Äh?"
"Na ja, da es keine Naturtatsache ist, ist es doch von Menschen gemacht. Von wem und warum?"
"Du kannst da nichts daran ändern."
"Wieso? Und wieso übernimmst Du diese Sichtweise? Glaubst Du, das ist in Deinem Interesse."
"Wir müssen uns da nicht mehr drüber unterhalten. Du kannst Dir ja jemand richtig fettes suchen, wenn Du auf sowas stehst."
Auf ihrem weiteren Weg durch die Stadt war Lyn sich sicher, dass sie ein riesiger Schokoriegel verfolgte. Er sah aus, wie der Schokoriegel, den sie heute Morgen gegessen hatte, nur war dieser hier vermutlich 200 kg schwer und grinste feist.
Sie wußte nicht, was sie tun sollte, doch dann wurde es ihr auf einmal klar. Sie kaufte sich noch einen Schokoriegel einer anderen Sorte und biß genüßlich hinein.
Augenblicklich löste sich der 200 kg schwere Schokoriegel, der hinter ihr stand, in Luft auf.

In dieser Nacht fing sie an die Monster zu unterscheiden. Sie waren alle unterschiedlich, die Farbe ihrer Pelze, die Schattierungen, die Augen, der Geruch und bei zwei der Monster, die ihr mit ihren nassen Fingern über das Gesicht strichen, schmeckte sie die Feuchtigkeit auf der Zunge.
Jedes Monster schmeckte anders.
Sie setzte sich in ihr Bett und lehnte sich an die Wand. Dann spürte sie diesmal noch deutlicher, wie ihr selbst nasse feuchte Haare wuchsen, ein bisschen hatte sie immer noch Angst und doch sehnte sie sich auch nach jedem feuchten Haar. Sie fuhr mit der Zunge über ihre eigenen Haare, schmeckte ihren eigenen Geschmack.
Vorsichtig leckte sie nun auch einem der Monster den Pelz. Doch dann wurde sie unsicher, ängstlich zog sie sich zurück.
Auch das Monster wich zurück. Alle Monster hielten nun schüchtern Abstand vom Bett. Sie betrachteten sie nur neugierig und doch zurückhaltend, bis Lyn sich ihnen zuwandte. Sie nahm die Hand eines Monsters und zog sie unter ihre Bettdecke. Das Monster begriff, dass Lyn nur diese Hand wollte und blieb neben dem Bett.
Bald schlief Lyn ein.
Am Morgen waren die nassen Haare auf ihrer Haut wiederum verschwunden.

"Spitzel, überall, Spitzel." Die fahrige Frau von undefinierbaren Alter sprach hastig auf Lyn ein. "Sie fotografieren Dich und stellen das ins Internet, und dann machen sich alle über dich lustig. Petzen, schlimmer noch als die Schleimer früher beim Lehrer, verpetzen sie Dich bei Allen."
Lyn hatte die Frau noch nie gesehen. Sie versuchte der Frau etwas auszuweichen, sie hasste die Enge in der Strassenbahn, obwohl etwas stimmte an dem, was die Frau sagte.
Sie dachte an das alte Lied - "Petze, Petze, .." - und - "Wenn Du nicht .., dann erzähle ich Allen, dass Du .." -. Was war es anderes als allgemeines Petzen- und Spitzeltum, was auf den diversen Foren im Internet stattfand, wenn der Tratsch über andere ausgebreitet wurde. Das Internet als stalinistisches Umerziehungslager zur Ausgrenzung jeglicher Form von Abweichungen. Da musste jeder Blockwartin das Herz aufgehen.
Als die Frau ausstieg äffte ein junger Mann sie nach und zeigte einige Fotos herum, die er gerade von der Frau geschossen hatte. Er fand das unheimlich lustig.
Für einen kurzen Moment hatte Lyn den Eindruck, dass der Mann gar kein Mensch war, sondern ein als Mensch getarntes Fotohandy in SS-Uniform. Aber dann sah sie den Schleim im Gesicht des Mannes, der Schleim weitete sich auf immer weitere Teile des Körpers aus - sie war aber scheinbar die einzige, die den Schleim sah.

Ihre Mutter brüllte: "Du bist doch psychisch krank." Doch Lyns Tante lies sich davon nicht beeindrucken. "Was ist das Zentralabitur anderes als ein totalitärer Maoanzug für den Geist? Aber Du findest ja die Gleichschaltung noch gut.
Dabei geht es nur darum absurde Formen gleichgeschalteter Konkurrenz zu schaffen. Eine Art DIN-Norm für geistige Arbeit.
Statt die reale Auseinandersetzung strukturell unterschiedlicher Denkformen zuzulassen, werden die Schülerinnen und Schüler in ein Korsett gezwungen um Gleichschaltung und Eintönigkeit zu erzwingen.
Für Dich ist Kritik doch ein Verbrechen."

Lyns Mutter verzog verächtlich die Mundwinkel. "Wer soll das verstehen? Du redest Dich doch nur heraus, weil Du selbst versagt hast. Das ist doch nur Gerede. Auch Kritik muss sich an den Rahmen des Vernünftigen halten."
Lyns Tante lachte. "Und was vernünftig ist bestimmt die zentrale Schulaufsicht."
Lyn stand nur still dabei. Sie hatten die Schwester ihrer Mutter an diesem Abend nur zufällig getroffen, als Lyn ihrer Mutter beim Einkaufen half.
Das ganze erinnerte sie an den Freund einer Freundin, einen Lehrer, der ihr erzählt hatte, dass er Schüler, die nicht mit anderen Schülern klar kämen, für zwei Stunden zusammen mit den anderen auf dem WC einschließen würde. Der Mann lachte, manchmal würde der Schüler danach etwas nach Urin stinken. Aber ab dann wäre Ruhe im Karton. Solche Schüler müßten Sozialverhalten lernen.
Lyns Freundin lachte brav mit.
Lyn hatte sich darauf hin das Toupee des Mannes gegriffen und es im Herrenclo im Pissoir versenkt.
"Bist Du verrückt?"
"Wieso, zuviel Sozialverhalten kann mann doch gar nicht lernen?"
Die Freundin hatte sie nie wieder getroffen.

Die Nacht, endlich war es wieder Nacht. Lyn hatte das Dunkel schon sehnsüchtig erwartet. Als die Monster kamen war sie bereit. Sie spürte den Flaum auf ihrer Haut. Die Haare wuchsen ihr diesmal schneller und waren auch eindeutig dichter als beim letzten mal. Sie spürte, wie sich die Feuchtigkeit auf den Haaren niederschlug. Dann spürte sie wie eins der Monster sich zu ihr legte, sie erkannte es wieder.
Ihre feuchten Pelze kuschelten sich aneinander.
Sie spürte die Wärme und Begierde des Monsters, aber sie wollte nur kuscheln.
Das Monster akzeptierte das und umfing sie sanft.
Umschlungen schlief sie ein.
Wieder waren die Haare am Morgen verschwunden, doch vielleicht nicht ganz, bei genauem hinsehen.
Lyn musste lächeln.

Am nächsten Morgen traf sie Katja vor der Vorlesung.
"Du musst Dich nur etwas zurecht machen. Du bist an sich schön." Katja zupfte mal wieder an Lyns Haaren rum.
Lyn streifte Katjas Hand ab. "Ich bin also schön?"
Katja nickte.
Lyn lächelten, "Na dann ist ja gut, dann muss ich ja nichts ändern."
Katja schüttelte genervt den Kopf. "Du könntest wirklich etwas aus Dir machen, das wäre gar nicht soviel Aufwandt." Sie sah an Lyn herab. "Rasieren musst Du Dich unbedingt."
Lyn sah ihr in die Augen. "Ich bin schon das, was ich sein will."
Sie spürte noch die nassen Haare der Nacht auf ihrer Haut. Sie vermisste inzwischen die Haare fast, und die feuchten Pelze, die sie umarmten, einen Augenblick lief sie beharrt durch den Gang, lächelnd folgte sie der um Hilfe schreienden Katja.

Am späten Nachmittag beobachtete sie einen Streit zwischen einer alten Frau und einer jungen Frau, vermutlich ihrer Tochter.
"Aber wir lieben Dich doch." Die alte Frau sah ihre Tochter ärgerlich an. "Du wirst das auch noch mal verstehen, sobald Du selbst Kinder hast. Noch bist Du ja gar keine Frau."
Lyn dachte an den Antiraucherinnenspot, den sie vor kurzen im Kinderfernsehen gesehen hatte. Eine rauchende Mutter gebar ein rauchendes Allien, das der Mutter zuerst einen Fuss abriss, um sie dann ganz zu verschlingen - Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit und das ihres werdenden Kindes -. Irgendwo hatten einige Menschen eine rauchende Schwangere attackiert, sie lief vor einen LKW und wurde getötet. In der Zeitung wurde die Mutter als Schuldige bezeichnet, Mörderin ihres Kindes - Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit und das ihres werdenden Kindes -. Schließlich ist die Frau dazu da Kinder zu bekommen. Mütter lieben ihre Kinder, dass ist immer so und ansonsten unnatürlich. Rauchende Mütter sind unnatürlich.
Lyns Mutter konnte das nicht oft genug wiederholen.
Als Lyn ein Kind war hatte ihre Mutter sie jedesmal, wenn sie unartig war, in den Keller gesperrt. Und wenn sie wieder hoch durfte, stand ihre Mutter da und zwang Lyn, sie zu umarmen. "Ich liebe Dich doch. Du liebst mich doch auch, oder?" Nur ein einziges mal hatte Lyn gewagt auf diese Frage hin den Kopf zu schütteln.
Damals musste sie im Keller übernachten.

An diesen Abend dachte sie das erste mal daran mit den Monstern zu gehen. Sie spürte, wie ihr wieder selbst Haare wuchsen, doch das schreckte sie nicht mehr. Im Gegenteil, sie freute sich über jedes einzelne Haar, ihr Pelz war noch dichter geworden und noch feuchter. Sie war jetzt eine von ihnen.
Als die Monster kamen kuschelte sie sich gleich in den feuchten Pelz eines der anderen Monster.
"Was macht Ihr, wenn Ihr nicht Nachts Menschen besucht?"
"Schlafen, Rauchen, Trinken, Essen, Denken, Träumen, Reden, Dichten und", das Monster zwinkerte sie an, "Sex."
Diese Nacht lies sie alles geschehen. Am liebsten wäre es ihr gewesen nicht mehr aufzuwachen.

Danach kamen noch viele Nächte, die sie herbeisehnte, bis sie sich entschied. An sich war es nur noch eine Formsache, die Haare blieben jetzt auch tagsüber, aber niemand schien sie zu sehen.

Heute hatte sie sich entschlossen, für immer bei den Monstern zu bleiben. Sie hatte nur noch diesen Brief an Ihre Eltern beenden wollen.
Aber der Brief war nun fertig. Sie unterschrieb noch, mit lieben Grüßen und Kuss.

Dann legte sie die mechanische Puppe in ihr Bett, die sie vorsorglich gekauft hatte. Sie war lebensecht und genau nach ihrem Ebenbild gefertigt. Die Puppe würde morgens immer pünktlich aufstehen, sich immer die Zähne putzen und niemals seltsame Fragen stellen und, das war das beste, sie war kussecht. Lyn war sich sicher, dass dies genau das richtige für ihre Bekannten und ihre Eltern war.

Dann wartete sie nur noch auf die Monster. Als es dunkel wurde spürte sie, wie ihr ein dichter Pelz wuchs, und dann kamen die Monster. Sie spürte nun ihre eigenen nassen Haare, lachend huschte sie mit den Monstern aus ihrer Wohnung. Niemand hätte sie mehr von den anderen Monstern unterscheiden können, obwohl die Monster sich untereinander erkannten. Sie verschwand für immer aus dieser Welt, ohne ein Gefühl der Reue, nur mit ein ganz klein wenig Melancholie.

Als die Eltern fünf Tage später die mechanische Puppe trafen, die angezogen war mit Kleidern ihrer Tochter und aussah wie ihre Tochter, waren sie zuerst etwas pikiert.
Dann fanden sie den Brief, unverständliches Zeug. Die Mutter schüttelte den Kopf, der Vater sah abwesend in die Gegend. Auch Katja zuckte nur die Schultern, als sie den Brief las.
Doch bald merkten alle, dass sie mit der Puppe viel besser auskamen als mit Lyn. Katja trank bald täglich mit der Puppe Kaffee.

Alles lief jetzt störungsfrei.

Und sie lebten noch ein langes und freudloses Leben.


Anfang des Textes


 



















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Impressum: Paula & Karla Irrliche




Zuletzt aktualisiert 30.10.2014



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