J.Djuren


Heimat = Shangri-La? Die Tibetfrage & Neonationalismus in Deutschland und anderswo

Es gibt keine ChinesInnen, Deutschen oder TibeterInnen

Es gibt sie nicht qua Geburt oder Schicksal. ChinesInnen, Deutsche und TibeterInnen werden produziert. Die Erfindung des Nationalstaats ist die für die Entwicklung der modernen kapitalistischen Systeme vielleicht wichtigste Innovation der Neuzeit, wichtiger als die meisten technischen Innovationen, wichtiger als die Dampfmaschine.
Vor dieser Innovation gab es BäuerInnen, Leibeigene, Adelige, Mönche, BettlerInnen aber keine StaatsbürgerInnen, keine Deutschen, keine FranzösInnen, keine BritInnen. Und es gab keinen Kapitalismus, da Leibeigene und BäuerInnen nicht als freie Arbeitskräfte zur Verfügung standen, da durch das Zunftwesen Gebietsmonopole für Handwerker gesichert waren, da keine allgemeine Rechtssicherheit die Vertragsfreiheit garantierte, da Steuern, Abgaben und Zölle regional willkürlich festgelegt wurden, und ...
Erst durch die Erfindung des Nationalstaates konnte sich die kapitalistische Entwicklungsdynamik entfalten. Der Nationalstaat leistete aber weitaus mehr als das oben bereits angeführte. Der französische Philosoph Michel Foucault führte, um dieses Mehr zu fassen, den Begriff Biopolitik ein. Biopolitik, das ist die auf den Körper des Einzelnen gerichtete Disziplinarpolitik und die auf den Bevölkerungskörper insgesamt gerichtete Politik. Biopolitik, das ist die Voraussetzung für die Produktion der Subjekte der Moderne durch die Machttechnologien des Nationalstaates, Machttechnologien durch die dieser sich überhaupt erst als Nationalstaat konstituiert hat.
Zur auf den einzelnen Körper gerichteten Biopolitik gehört z.B.:
- Die Dressur des Körpers nach den formalen Regeln abstrakter Zeitsetzung (also der UHR) und sinnentleerter gleichförmiger Tätigkeit zu funktionieren (Arbeitshäuser).
- Die Formierung der Körper im modernen Militärapparat.
- Die Verschulung der Menschen.
Zu der auf den Bevölkerungskörper gerichteten Biopolitik gehört z.B.:
- Die moderne Seuchenpolitik (Cordonne Sanitaire).
- Die Architektur der AbeiterInnenvorstädte.
- Die staatliche Sexualpolitik.
- Die Ein- und Ausreisekontrolle und Steuerung der Wanderungsbewegungen.
Erst durch die biopolitischen Eingriffe des Nationalstaates wurden die Subjekte produziert, die der Kapitalismus benötigte. Der Nationalstaat produzierte damit aber auch den Staatsbürger und die Staatsbürgerin, die zumindest formale Gleichheit vor dem Gesetz, die Arbeitsfreiheit innerhalb der nationalstaatlichen Grenzen (Das Recht überall Arbeit anzunehmen - bis ins 19te Jahrhundert gab es in den Herrschaftsgebilden auf dem Gebiet des späteren deutschen Nationalstaates für große Teile der ländlichen Bevölkerung schlichtweg ein Verbot irgendwo anders hinzugehen -). Und, der Nationalstaat produzierte auch ein reziprokes Anspruchsdenken, Forderungen nach sozialstaatlicher Absicherung. Diese Erfindung mit Namen Nationalstaat war eine Revolution, sie ging nicht notwendig aus dem Vorhergehenden hervor und schon gar nicht aus den Königreichen oder Fürstentümern des Mittelalters, eher lag ihr Ausgangspunkt schon in den freien Städten, sie war eine Erfindung des BürgerInnentums.
Die nationalstaatliche Mythologie, die Erzählungen von Nationen, die schon immer existiert haben, ihren Schlachten, ihren Legenden, ist nichts weiter als eine Konstruktion legitimierender Ideologie. Die moderne Geschichtswissenschaft wurde im 19ten Jahrhundert als Anstalt nationalstaatlicher Ideologieproduktion begründet.
Der Nationalstaat konstruiert sich dabei, ähnlich modernen Subjekten, im Nachhinein eine Individualgeschichte, die notwendiger Weise zu seiner Existenz und seinem Handeln hinführen mußte. Gäbe es schwule Nationalstaaten, würde die Geschichtswissenschaft sicher feststellen, daß schon die zum Vorläufer erkorenen Gesellschaften alle schon immer schwul waren. Dabei läuft diese Konstruktion von nationalstaatlicher Identität über 'Kindheitserinnerungen' eines 'Staates' der Konstruktion von Subjekten über ihre Kindheitserfahrungen parallel.
Das moderne staatsbürgerliche Subjekt ist nicht ohne den Nationalstaat denkbar, es konstruiert sich selbst in der homogenisierenden Historisierung seiner Individualentwicklung im Gleichschritt mit dem Nationalstaat.

Dabei gibt es in der Regel nicht nur eine Erzählung über die Nation, sondern mehrere konkurrierende Versionen, die für sich jeweils absolute Gültigkeit beanspruchen, und die Interessen unterschiedlicher Gruppen im Nationalstaat widerspiegeln. Real ist der Nationalstaat hochgradig inhomogen, aus einander strebend und widersprüchlich. Doch diese Realität wird entweder mit Gewalt oder über die Homogenisierung gegenüber einem äußeren (oder inneren - z.B. Rassismus -) Gegenpool übertüncht. In der Phase der Konstruktion von Nationalstaaten führt dies fasst immer zu extremen Gewaltexzessen.

Die anarchistischen und frühsozialistischen Bewegungen stellten diesem nationalstaatlichem Prinzip ein allgemeines Menschenrecht gegenüber.




Und was ist jetzt mit Tibet?

Tibet war bis zum Einmarsch der Armee der Volksrepublik China kein Nationalstaat. Tibet war ein Gebiet das von Adelsherrschaft und Nomadenkulturen geprägt war, die lose über die buddhistischen Mönchsschulen verbunden waren. Dabei gab es in der Geschichte der Region vielfältige kleinere kriegerische und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den buddhistischen Mönchsschulen (z.B. zwischen Gelbmützen und Rotmützen im 18ten Jahrhundert - die Gelbmützen, die Schule des Dalai Lama, folterten und mordeten, plünderten und zerstörten Klöster, verbrannten Bücher und machten Tempel zu Ställen1 -), aber auch innerhalb der Orden, mit dem Adel und mit den nomadischen Reitervölkern gab es immer wieder Auseinandersetzungen. Von den 13 Dalai Lama, die dem jetzigen vorher gingen, starben nur drei nachweislich eines natürlichen Todes, bei den übrigen wird in der überwiegenden Zahl von Mord ausgegangen (üblich waren Giftmorde). Die Mehrheit der Bevölkerung lebte entweder als Nomaden in Clanstrukturen oder in unfreien Verhältnissen gebunden an eine Adelsfamilie. Soziale Unzufriedenheit äußerte sich ähnlich dem europäischen Mittelalter in der Bildung von 'gesetzlosen Räuberbanden' durch Untertanen, die sich dem Zugriff ihrer Adelsherren entzogen.
Um sich die Vormachtstellung in Tibet zu sichern ging die Schule der Gelbmützen zuerst ein Bündnis mit den Mongolen und später mit dem chinesischen Kayserreich ein. Die Mongolen und später das Kayserreich wurden zur Schutzmacht und erhielten die formale Oberhoheit in weltlichen Fragen, im Gegenzug wurde der Dalai Lama zum spirituellem Ratgeber der Herrscher und der tibetische Buddhismus zur Quelle der spirituellen Erneuerung.

Dabei spielte für die Überregionale 'Diplomatie' der Mönche das Tulkusystem eine besondere Rolle. Als Tulku werden Mönche bezeichnet, die ein so 'reines Geiststadium' erreicht haben, daß sie, nach dem unter anderem in tibetischen Mönchsschulen gültigen Glauben, nach ihrem Tod willentlich in einem neuen Kind wieder geboren werden können. Alle hohen religiösen Würdenträger in Tibet sind Tulkus (z.B. der Dalai Lama und der Panchen Lama). Üblicherweise wurden Bündnisse dadurch von den buddhistischen Schulen gefestigt, daß Tulkus aus ihrer Schule im unmittelbaren Umfeld der Herrschaftsfamilien der Bündnispartner 'entdeckt' wurden. So wurde das Bündnis mit den Mongolen dadurch befördert das ein Neffe des Herrschers als wieder geborener Mönch 'erkannt' wurde. Beim Wechsel des Bündnispartners traten dann verstärkt wieder geborene Mönche, Tulkus, im Umfeld des chinesischen Herrschaftshauses auf.
Heute werden Tulkus verstärkt in den USA 'entdeckt'. Dieses Glaubenssystem gibt es aber auch in Teilen der Mongolei und Indiens.

Anhgesichts dieser Realität davon zu sprechen, es hätte einen Nationalstaat Namens Tibet gegeben ist absurd. Das heutige Tibet war ein nationalstaatsfreies Gebiet.

In Tibet selbst gab es in den dreißiger Jahren eine kleine nationalistische Bewegung in Lhasa, die vielleicht am ehesten mit der Modernisierungsfraktion um Ata Türk in der Türkei verglichen werden könnte. Ausgangspunkte waren ein europäisch modernisiertes Militär und die Absolventen der einzigen nicht religösen Ausbildungsstätte, die neu nach europäischen Vorbildern (Großbritanien über Indien) aufgebaut worden war. Die Bewegung sah in der Vorherrschaft der Mönche das zentrale Entwicklungshindernis für Tibet. Diese kleine Bewegung wurde aber im Keim von den herrschenden buddhistischen Mönchen erstickt. Die Ausbildungsstätte wurde wieder geschlossen, Teile des Militärs aufgelöst, weitere Modernisierungen wurden unterbunden. Oppositionelle mußten ins Exil fliehen, einer der bekanntesten Oppositionellen wurde eingesperrt und ihm wurden die Augäpfel ausgerissen (eine übliche Bestrafung von der aber nicht allzu oft Gebrauch gemacht wurde).
Zwar hatte sich Tibet nach dem Zusammenbruch des chinesischen Kayserreiches für unabhängig erklärt, der Aufbau nationalstaatlicher Institutionen oder einer nationalstaatlichen Politik erfolgte aber nicht. Tibet blieb ein Territorium ohne Nationalstaat.

Als die Armee der Volksrepublik China in den 50ern einmarschierte, wurden Teile der tibetischen Region bestehenden chinesischen Teilstaaten zugeordnet, das vom Dalai Lama beherrschte Gebiet Tibets erhielt als Autonome Region (TAR) einen Sonderstatus. Innerhalb der Autonomen Region blieben die alten gesellschaftlichen Strukturen weitgehend unangetastet, dies wurde vertraglich festgelegt. Der Dalai Lama wurde zum Mitglied des Volkskongresses und erhielt den Status eines der Vetreter von Mao. Da der jugendliche Dalai Lama Sympathien für sozialistische Ideen und für Mao hegte war die politische Linie den Dalai Lama zu gewinnen.
Gleichzeitig wurde aber in den Regionen Tibets, die anderen Teilen es Staatsgebietes Chinas zugeordnet waren, rigide die Politik der Kommunistischen Partei durchgesetzt. Hier kam es nicht so sehr zu einem Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen staatlichen Regulationssystemen sondern zu einem Konflikt zwischen chinesischer Staatlichkeit und nichtstaatlichen Gesellschaftsorganisationen (vor allem tibetisch nomadischer Bevölkerung). Als Folge flohen tausende von Nomaden (- zum Teil Nomaden mit kriegerischer Tradition -) in die Autonome Region und lagerten in der Nähe von Lhasa. Außerdem flohen Teile der Oberschicht nach Lhasa. Dies führte zu einer explosiven politischen Lage in Lhasa.
Diese Situation spitzte sich weiter zu als die Kommunistische Partei erzwang, daß auch innerhalb der Autonomen Region ihre tibetischen Parteikader von leibeigenen ähnlichen Verpflichtungen ausgenommen wurden. Konkret wurde verboten, Parteikader, die Mitglieder der tibetischen Unterschicht waren, öffentlich zu züchtigen, falls sie leibeigenen ähnliche Dienstverpflichtungen verweigerten. Damit wurden die Privilegien des Adels auch in der Autonomen Region in Frage gestellt.
Zusätzlich kam es durch ein Mißverständnis in der Bevölkerung Lhasas zum Eindruck einer Bedrohungslage für den Dalai Lama. Dies alles führte 1958 zum Aufstand gegen die chinesische Armee, der aber schnell niedergeschlagen wurde. Der Dalai Lama floh zusammen mit ca. 100.000 TibeterInnen (Gesamtbevölkerung über 2 Millionen, je nach Zählweise, welche Territorien und welche Bevölkerung Tibet zugerechnet wird) nach Indien .
Die ambivalente Haltung des Dalai Lama gegenüber der Kommunistischen Partei, und die Fehleinschätzungen der Kommunistischen Partei, wird auch daran deutlich, daß die chinesische Führung sich zuerst nicht sicher war, ob der Dalai Lama von den Aufständischen entführt worden war, oder, ob er geflohen war.

In der Folge versuchten die ExiltibeterInnen bis Anfang der 70er Jahre mit Unterstützung des CIA die Chinesische Armee mit militärischen Mitteln zu bekämpfen. Dies hatte zwar Abertausende von Toten zur Folge aber keinen Erfolg.

Der Konflikt in Tibet in den 50er und 60er Jahren war kein Konflikt zwischen Staaten sondern der typische Konflikt der Durchsetzung von Nationalstaatlichkeit in einer nicht nationalstaatlich organisierten Gesellschaft. Vergleichbar z.B. den Auseinandersetzungen in Nicaragua mit der indigenen Bevölkerung.
China hat in Tibet überhaupt erst staatliche Verwaltungsstrukturen, staatliche Schulen und Gesundheitsversorgung geschaffen und durchgesetzt.
Dieser Konflikt wäre wahrscheinlich auch dann mit vergleichbarer Brutalität abgelaufen, hätte es sich um eine Durchsetzung nationalstaatlicher Prinzipien durch Teile der tibetischen Oberschicht gehandelt, z.B. wenn sich in den dreißiger Jahren die nationalistische Militärfraktion gegen die Mönche durchgesetzt hätte.
Dies ist nicht als Entschuldung Chinas zu verstehen, sondern als grundsätzliche Kritik am Konzept des Nationalstaates.




Die Ohnmacht des Dalai Lama

1958 war der 14. Dalai Lama zweifelsohne auf Grund seines Alters (geb. 1935) und mangelnder politischer Erfahrung noch ein Spielball der politischen Akteure um ihn herum. Um die politischen Einstellungen des Dalai Lama zu verstehen ist es wichtig seine langen Aufenthalte in Indien in jungen Jahren und den Aufenthalt im indischen Exil und die Kontakte zur indischen Demokratiebewegung zu sehen. Wichtige politische 'Lehrer' waren stark vom Denken Gandhis beeinflußt.2 Aber erst nach dem Scheitern der militärischen Option konnte sich der Dalai Lama mit dieser Politik durchsetzen und von seinem Umfeld emanzipieren. Die Äußerungen und politischen Handlungen des Dalai Lama der letzten drei Jahrzehnte sind klar gewaltfrei und von demokratischen Idealen getragen. Dabei steht er aber vor kaum überwindbaren Hindernissen.

Auf der einen Seite muß er sich mit einer jahrhundertealten Mönchsbürokratie herumschlagen und mit der alten exilierten Nomenklatura Tibets, gleichzeitig ist er die zentrale Identifikationsfigur für fast alle TibeterInnen im indischen Exil und ihr Aushängeschild nach Außen. Er ist in einer zum Teil desolaten Flüchtlingssituation für viele vermutlich ein letzter Halt. Einer an den sich alle klammern. Diese psychologische Abhängigkeitsstruktur muß er bei all seinen Handlungen bedenken um Menschen nicht sinnlos zu verletzen.
Und er steht einer erstarkenden Opposition gegenüber, die seine gewaltfreie Politik als weltfremd diffamiert. Außerdem muß er mit dafür sorgen die Exilgesellschaft überlebensfähig zu gestalten.
Für viele ExiltibeterInnen ist er kein gewöhnlicher Sterblicher sondern ein wesentlicher Teil ihrer Hoffnung. Er wird damit in dieser Exilsituation in eine Stellung gedrängt, die der eines Sektengurus sehr nahe kommt. Seine Worte werden als Gesetz akzeptiert, nicht weil sie begriffen werden, sondern weil er sie ausspricht.
Für seine gewaltfreie Politik im Sinne Gandhis ist dies höchst problematisch, zwar kann er durch seine Autorität Gewaltfreiheit erzwingen, jedem Versuch der politischen Basisarbeit mach dieselbe Autorität aber völlig unmöglich. Das führt dazu, daß zur Zeit Gewaltfreiheit zwar weitestgehend eingehalten wird aber mehr als Gebot denn als Überzeugung. Der Dalai Lama hat das Problem, daß er selbst die, noch dazu ausgesprochen glaubwürdige, Spitze der autoritären Strukturen ist, die er an sich unterminieren müßte. Ähnliche Probleme ergeben sich für die Demokratisierung, auch diese scheint in vielen Punkten eher als Verordnung durchgeführt zu werden.
Der Dalai Lama steht damit vor einem unlösbaren Paradox, je ehrlicher er sich für Gewaltfreiheit und Demokratie einsetzt, je mehr wächst sein Ansehen und damit die Macht seiner Position und seine Autorität, je mehr stehen die Projektionen der Exilgemeinde auf ihn wirklicher Demokratie und gewaltfreiem Basisagieren entgegen.

Deutlich wird diese Einstellung der Exilgemeinde an ihren Reaktionen auf interne KritikerInnen.3 Im indischen Exil lebende ExiltibeterInnen, die den vom Dalai Lama vorgegeben Konsens durchbrechen, sich 'untibetisch' verhalten, müssen mit massiver Ausgrenzung, wirtschaftlichen Boykott, und Bedrohung ihrer Person und ihrer Familie bis hin zu körperlicher Gewalt leben. Die meisten KritikerInnen ziehen die 'Flucht' nach Europa und den USA vor. Der hier zitierte Autor Jamiang Norbu wurde z.B. zusammengeschlagen, paradoxer Weise weil er sich gegen die Gewaltfreiheit und den tibetischen Mythos von Shangrila gewandt hatte. Dies macht überdeutlich, daß zumindest von einem Teil der ExiltibeterInnen, Gewaltfreiheit als dogmatische Norm begriffen wird, die dann eben auch mit Gewalt verteidigt werden kann, und nicht als gelebte Überzeugung.
Diese Reaktionen werden vom Dalai Lama kritisiert, der Toleranz fordert, er steht diesen Entwicklungen aber zum Teil offensichtlich ohnmächtig gegenüber.

Ein Teil des Problems ist dabei aber auch die Sicht des Dalai Lama auf den Buddhismus, er betont sehr stark die gewaltfreien Elemente und neigt dabei dazu andere Elemente bei Seite zu lassen. Auf der einen Seite gelingt ihm damit zwar eine sehr klare Verknüpfung von Gewaltfreiheit und Glauben auf der anderen Seite verklärt er aber dabei die tibetisch-buddhistische Geschichte und verhindert damit auch eine kritische Aufarbeitung.
Dies wird zunehmend auch von tibetischen kritischen Intellektuellen kritisiert.

Dies alles läßt leider nichts Gutes für die Zeit nach seinem Tod befürchten. Die Gefahr ist groß, daß die Leerstelle von vielen in der Exilgemeinde schnell wieder durch neue Autoritäten gefüllt wird. Dies könnte zu einem ähnlichen Kippen der gesamten Exil-Struktur hin zu destruktiven Tendenzen führen wie sie auch bei Sekten zu beobachten ist.
Dabei gibt sich der Dalai Lama wirklich Mühe diese Strukturen zu unterlaufen. So riet er den Mitglieder des TYC (Tibetan Youth Congress - der größten tibetischen Exilorganisation, mit Mitgliedern die, zum Teil 90jährig, nicht unbedingt alle jugendlich zu nennen sind -) bei einer Veranstaltung auf der sie den Beistand des Dalai Lama für ihren aufopferungsvollen Kampf für ein unabhängiges Tibet erwarteten, doch bitte schön sich erst einmal um das Müllproblem in Dharamsala (der größten Ortschaft im indischen Exil) zu kümmern.

Der Dalai Lama tritt inzwischen auch für eine Lösung innerhalb Chinas ein, unter Verzicht auf die Forderung nach einem unabhängigem Nationalstaat Tibet.




Exil-Nationalismus

Dem gegenüber steht aber der Exil-Nationalismus vieler ExiltibeterInnen in Indien der zweiten und dritten Exil-Generation, der in vielen an die Probleme von MigrantInnen in anderen Ländern erinnert. Die Heimatvorstellungen werden ihnen zunehmend zu einem Shangrila, zu einem verklärtem Bild das Erlösung verspricht.4 Zwar sind sich die ExiltibeterInnen der Differenz zwischen ihrem Tibetbild und dem heutigen Tibet zum Teil bewußt, sie schieben diese Differenz aber den 'ChinesInnen' in die Schuhe. Eine Vorstellung scheint vorzuherrschen, daß ohne China alles gut wird. Letztendlich sehen sich viele ExiltibeterInnen als die wahren Bewahrer der tibetischen Kultur. Dabei haben sich die Gesellschaften in der tibetisch autonomen Region (TAR) und im Exil in den letzten Jahrzehnten massiv auseinander entwickelt.

In der TAR und den angrenzenden Gebieten bestehen regionsspezifisch unterschiedliche Kulturräume und außerdem eine starke Differenz zwischen Stadt und Land. Städtische Jugendliche orientieren sich bzgl. ihres Musikgeschmackes an Chinapop, eine neue Generation junger Schriftsteller schreibt in chinesisch und hat auf chinesischen Hochschulen studiert. Die Mehrheit liest chinesische Publikationen, da diese im Gegensatz zu tibetischsprachigen keiner so ausgeprägten Zensur unterliegen.

Im Exil studieren TibeterInnen hingegen in Indien mit der Orientierung am angloamerikanischen Raum und an Bollywood und moderne Intellektuelle schreiben Englisch. Die unterschiedlichen Kulturen Tibets wurden im Exil nationalisiert und auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Der Dalai Lama ist dabei der Fixpunkt exiltibetischer Identität.
Das Tibet, daß sich viele im Exil immaginieren, existiert nicht.

Dies führt im Exil aber nicht dazu, zu begreifen, daß Nation, nationale Identität, ein Mythos ist, daß nationale Identitäten permanenten Prozessen ihrer Reproduktion, Ausdifferenzierung, Umschrift und Veränderung unterliegen, sondern die Erfahrung der Entfremdung führt zu einer Radikalisierung. Um Mitglied des TYC zu werden muß das Neumitglied die Bereitschaft erklären, für Tibet zu sterben. In den Reihen des TYC werden Stimmen lauter, die die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes fordern, und dabei z.B. den Widerstand in Ost-Timor als Vorbild haben.

Die Frage, ob für die, nach wie vor überwiegend als Nomaden oder in Subsistenzlandwirtschaft lebende, Landbevölkerung in der TAR die Frage der Nation überhaupt eine relevante Bedeutung hat, ist dabei offensichtlich für diese exiltibetischen 'Eliten' völlig irrelevant, sehen sie sich doch schon als die zukünftige 'Elite' eines tibetischen Nationalstaates.

Besonders bedenklich ist dabei eine ideologische rassistische Formierung des tibetisch Buddhismus entlang ethnischer Linien.
Historisch war der tibetische Buddhismus nicht an eine Ethnie gebunden, im Gegenteil, er wurde von mongolischen und chinesischen Bevölkerungsteilen und den unterschiedlichen Ethnien der tibetischen Region vielfältig übernommen.
Im Exil gibt es aber Stimmen, die heute in den HanchinesInnen in Tibet eine Bedrohung der Reinheit der tibetisch-buddhistischen Kultur sehen und statt Religionsfreiheit, die Vertreibung der HanchinesInnen, ein ethnischen 'Cleansing', fordern.
Dabei stößt auch heute die tibetisch-buddhistische Kultur bei ChinesInnen auf Interesse. Tibet und der tibetische Buddhismus gelten auch im heutigen China als Quellen spiritueller Inspiration. Dies ist eventuell sogar die eigentliche Angst der Kommunistischen Partei, die ihre repressive Haltung gegenüber dem tibetischen Buddhismus bedingt. Zu befürchten steht, daß aber gerade dieses Moment des tibetischen Buddhismus in fataler Ergänzung zwischen KPC und militanten neu-tibetisch-buddhistischen RassistInnen zerrieben werden könnte.

Dabei wird immer wieder übersehen, daß eine lebende Gesellschaft sich immer verändert, neu definiert, streitet, mischt, tanzt, lacht.




Die Förderung des tibetischen Nationalismus durch China

Die Politik Chinas gegenüber der TAR unterliegt großen Schwankungen. Nach der Phase der Duldung der alten Strukturen bis 1958 folgte eine Phase der obrigkeitsstaatlichen Durchsetzung der Parteilinie bis in ländliche Regionen mit der Folge eines Teilzusammenbruchs der landwirtschaftlichen Produktion und Hungersnöten. Dies eskalierte weiter in der Phase der Kulturrevolution.

Die Kulturrevolution in der TAR war aber KEINE Alleinveranstaltung der hanchinesischen Kader. Die Gemengelage in der TAR war sehr viel komplizierter. Große Teile der Bevölkerung wurden von der Dynamik der Kulturrevolution erfaßt. Antichinesische Ressentiments überlagerten sich mit Vorgaben der Kulturrevolution, mit Rache an den ehemaligen tibetischen adeligen Herrschaftsfamilien, mit Bereicherungen bei der Plünderung von Klöstern, mit Widerstand gegen diese Zerstörung. usw.. Ein Großteil der Zerstörungen der Kulturrevolution in der TAR ging von TibeterInnen aus. Eine differenzierte Darstellung findet sich in zwei Artikeln der Zeitschrift 'New Left Review', eine Darstellung eines chinesischen Autors5 und eine Kritik dieser Darstellung durch einen tibetischen Autor6. Auch der tibetische Kritiker - Tashi Tsering - bestreitet nicht, daß TibeterInnen massiv an der Kulturrevolution beteiligt waren, er sieht dies aber eher als Handlung unter Repression bzw. als verdeckten nationalen Widerstand. Dies geht soweit, daß er eine Nonne die mit ihrer Schar tibetische und hanchinesische Kader niedermetzelte als Jean de Arc von Tibet abfeiert.
Real würde eine genaue Analyse wohl zu einem sehr komplexen Bild kommen, bei dem sich eher kaleidoskopartig unterschiedlichste Motivationen und Repression überlagern.

Im Nachhinein wurde von tibetischer Seite die eigene Beteiligung aber vollständig negiert und dies ist heute Teil des antichinesischen Ressentiments.

In den 70er und 80er Jahren folgte wiederum eine sehr liberale Phase, die Kollektivierung wurde zurückgenommen und die Klöster wieder aufgebaut. TibeterInnen wurden gezielt in Positionen der Partei und der Verwaltung befördert. Der Lebensstandart stieg auf ein noch nie in Tibet vorher erreichtes Niveau. Die Lebenserwartung stieg von etwas über 30 Jahren (im alten Tibet der Lamas) auf über 60 Jahre. Tibetisch sprachige Literatur, einschließlich Übersetzungen von Werken der Weltliteratur und einer ganzen Reihe von Literaturzeitschriften für junge tibetische AutorInnen, wurde vom Staat gezielt gefördert (und gleichzeitig kontrolliert und zensiert).
Dies führte aber in der Folge zu einem Wiedererstarken der buddhistischen Mönche. Die chinesische Zentralregierung versuchte dem in den 80er Jahre zu begegnen durch die Übernahme der Kontrolle über die Finanzen der Klöster, dies wiederum führte Ende der 80er Jahre zu einer erneuten gewaltsamen Eskalation diesmal zwischen Mönchen und Staat. Die Liberalisierungsphase wurde beendet und die Repression erneut verschärft.

Eine nationale Bewegung im eigentlichen Sinn existierte bis zu diesem Zeitpunkt in der TAR aber nicht.

Die 90er Jahre bis heute waren geprägt durch eine ökonomische Neoliberalisierung, ein im Vergleich zum größten Teil Chinas hohes Repressionsniveau (Folter, Mord, Verschleppungen, Diskriminierung politisch Oppositioneller) und massive Investitionen der chinesischen Zentralregierung in den Aufbau der tibetischen Infrastruktur und den Ausbau der Verwaltung, bei gleichzeitiger Förderung des Studiums von TibeterInnen in Hochschulen im chinesischen Tiefland.
Die Neoliberalisierung und Staatsrückzug bedeutete für die Bevölkerung die Zerschlagung des vorher kostenfreien medizinischen Versorgungssystems und die Einführung eines impliziten Schulgeldes (offiziell sind die Schulen kostenfrei, real wird aber ein Schulgeld für Uniformen, Essen usw. erhoben, daß für Viele praktisch nicht bezahlbar ist).

Dies führte in der Landbevölkerung zu einer erneuten Zuwendung zur tibetischen Medizin der Mönche und zu den Klosterschulen. Die Analphabetenrate ist in den letzten Jahren außerdem rapide gestiegen, vor allem bei Mädchen. Das heißt es fand eine Entstaatlichung statt, eine Auflösung nationalstaatlicher Institutionen. Gleichzeitig wuchs aber auf dem Land der materielle Wohlstand weiter (ausgehend von einem niedrigem Niveau).

Für die städtische Bevölkerung ergab sich ein anderes Bild, durch die Universitätsausbildung und staatliche Stellen bildete sich eine tibetische bürgerliche Mittelschicht heraus. Damit entstand das erste mal ein Subjekt nationalstaatlicher Bewegungen. Dies wurde noch dazu durch den nationalistischen Grundton an chinesischen Universitäten befördert, deren Hanchauvinismus (HanchinesInnen machen ca. 90% der chinesischen Bevölkerung aus) Studierende der Minderheiten in der Interaktion selbst in den Nationalismus treibt. In den letzten Jahren führte das neoliberale Dogma zudem zur Beendigung der gezielten Förderung tibetischer Beschäftigter in der TAR, außerdem wuchs auch hier gleichzeitig der Hanchauvinismus, dies führte zunehmend zur Verdrängung der tibetischen Mittelschichten aus den vom Staat kontrollierten Jobs (die über 90% aller in Frage kommenden Stellen ausmachen, da in Tibet das gesamte Wachstum staatsfinanziert ist). Der Anteil der TibeterInnen sank von ca. 60% auf ca. 45 % ab innerhalb weniger Jahre.
Gleichzeitig kam es in den Städten zu einem massiven Zuzug von HanchinesInnen.
Es war diese städtische bürgerliche Schicht, zum Teil auch in den an die TAR angrenzenden Gebieten, die wesentlich die Proteste 2008 trug, und die nun zum Teil auch nationalistische Parolen trägt.7

Zu sehen ist aber das diese Schicht auf Tibet gesamt gesehen nur einen kleinen Anteil der Bevölkerung stellt.
In Artikeln der Free-Tibet-Bewegung wird immer wieder betont, daß eine Ursache der Diskriminierung von 'TibeterInnen' dadurch verursacht würde, daß die einwandfreie Beherrschung der chinesischen Sprache Voraussetzung für alle höheren Stellen wäre. Dies stimmt, würden aber die ExiltibeterInnen die Macht übernehmen, würde Chinesisch vermutlich nur gegen Englisch ausgetauscht. Es sprechen aber wesentlich weniger TibeterInnen Englisch als Chinesisch, die Diskriminierung würde also vermutlich sogar anwachsen. Im globalisierten Kapitalismus ist Zweisprachigkeit inzwischen Pflicht, auch in Deutschland werden Menschen ohne Englischkenntnisse massiv 'diskriminiert'. Dies gilt schon für triviale Stellenanzeigen, z.B. auch Stellenanzeigen der Heinrich Böll Stiftung. Ohne Englischkenntnisse ist es in Deutschland nicht einmal mehr möglich eine Stelle im mittleren Verwaltungsdienst zu bekommen, geschweige denn im gehobenen Dienst.
Dabei ist in Tibet aber eine wichtige Differenz zu sehen, Han-Kader müssen nicht perfekt zweisprachig sein, ihr tibetisch ist teils mangelhaft (entgegen anders lautenden offiziellen Bestimmungen).

Der aufkommende Nationalismus an den Rändern Chinas ist nicht unwesentlich ein Effekt der Ablösung der sozialistischen Rhetorik durch nationalistische Rhetorik im Zentrum des Staates. Nationalstaatliche Identitäten sind nicht nur Aushandlungsprozesse, sondern sie entstehen auch in der Interaktion, zum Teil erzwungener Maßen. In den Bereichen der Gesellschaft, die zur Stärkung der Identität als das Andere ausgegrenzt werden, bilden sich selbst nationale Identitäten heraus. Dabei führt die neoliberale Ideologie vom schlanken Staat zur strukturellen Entstaatlichung, deren Effekten der Staat mit nationalistischer Rhetorik und Repression begegnet, womit die Zerfallseffekte an den Rändern weiter verstärkt werden.

Dazu kommen im Fall Tibets zusätzlich die Eingriffe in die buddhistische Religion, zuletzt wurde auch das bisher gute Verhältnis zum Umfeld des Panchen Lama belastet durch die 'Verwaltungsmaßnahmen für die Reinkarnation lebender Buddhas des tibetischen Buddhismus' (In Kraft getreten 01.09.2007), nach der Reinkarnationen jetzt der vorab Genehmigung durch den chinesischen Staat bedürfen. Diese Regelung entspricht zwar älteren real praktizierten Regelungen des Kayserreiches und der Republik China bzgl. Tibet, diese älteren Regelungen wurden aber in der Regel nicht konfrontativ, sondern in Absprache mit der tibetischen Geistlichkeit angewandt. So trat China z.B. in Streitfällen als schlichtende Stelle auf, z.B. um Korruption zu unterbinden, und die Oberhoheit Chinas wurde hier symbolisch dargestellt.8
Die Prozedur zur Inthronisierung des zur Zeit amtierenden 14. Dalai Lama wurde z.B. 1940 vom Minister der Kommision für tibetisch-mongolische Angelegenheiten der Republik China geleitet und die Rechtmäßigkeit der Reinkarnation durch die chinesische Regierung bestätigt.
Im Fall der aktuellen Reinkarnation des Panchen Lama hat die chinesische Führung aber gezielt durch die Benennung einer zweiten Reinkarnation und Entführung des Jungen, der vom Dalai Lama als Reinkarnation ausgewählt wurde, einen Konflikt herbeigeführt und damit auch alle ihr nahe stehenden Gruppen der tibetischen Geistlichkeit in die Konfrontation getrieben.




Ausblicke und DEUTSCHE Solidarität

Der Rückbau des Nationalstaates unter neoliberalen Vorzeichen ist nicht auf China beschränkt. In vielen Staaten führt diese Entwicklung zu ähnlichen Phänomenen. Um die Auswirkungen der Delegitimation des Staates auf Grund seines Rückzuges aufzufangen wird die nationalistische Propaganda verschärft. Dazu bedarf es immer der Anderen, der nicht dazu gehörenden, die nun wiederum selbst in neue Identitätspolitiken getrieben werden und die Spirale weiter treiben. So führt gerade die partielle Auflösung des Nationalstaates zu Tendenzen der Renationalisierung. Aber hierbei handelt es sich nicht mehr um den paternalistischen Nationalismus, den klassischen Vater Staat - ' streng aber auch sorgend' -, sondern um einen Neonationalismus, der den 'glücklichen' alten Nationalstaat nur noch als ein unerreichbares Shangrila beschwört, an dessen Verwirklichung uns nur die bösen Anderen hindern.

Auch in Deutschland geht der Rückbau einher mit einer solcher Art verstärkten nationalistischen Propaganda. Insofern liegt das tibetische Exil auch in Deutschland, daß heißt 'die Deutschen' verhalten sich in Teilen nicht viel anders. Deutschtümelnde Gemütlichkeit ist nicht nur an Gesichts von Fußball und TV-B-Movies wieder in. Es gibt regions- und bevölkerungsgruppenspezifisch unterschiedliche solcher Shangrilabegriffe. In der deutschen Mehrheitsbevölkerung sind es wieder einmal die Begriffe, Deutschland, Heimat, usw. bei denen Gruppen von Menschen spontan anfangen die Augen zu verdrehen und glückstrahlend mit dem Kopf zu wackeln. Und auch in Deutschland sind die anderen schuld, die ChinesInnen, die SozialschmarotzerInnen, die Heuschrecken, die den 'guten rheinischen Kapitalismus' kaputt gemacht haben.

Und mit den ChinesInnen gibt es sogar ein gemeinsames Feindbild, die, die zerstören Shangrila.
Die deutsche Solidaritätsbewegung für Tibet gründet auch darin, daß sich dieses Land für eine unauffällige Legitimation der Renationalisierung des Politischen bestens eignet, eine Renationalisierung, die dann auch als 'guter Nationalismus' auf Deutschland übertragbar ist. Nicht zufällig gehören zu dieser 'Bewegung' auch die KAS (Konrad Adenauer Stiftung), Roland Koch und Angela Merkel.

Es ist falsch diese Entwicklung zu unterstützen. Vielmehr muß es darum gehen die Neonationalisierungen der Politik zu unterbinden hier, in China, in Tibet und in Shangrila.

Es geht darum ein nationale Grenzen sprengendes Bündnis gegen den Neoliberalismus zu schaffen und nicht immer neue Neonationalismen zu kreieren. Und das dies auch für Bewegungen im Trikont möglich ist zeigen die ZapatistInnen.




Problem Quellenlage

Zum Abschluß noch eine Bemerkung zum Problem der Quellenlage. Sowohl von chinesischer Seite9 als auch von Seiten der Free-Tibet-Bewegung10 wird relativ einseitig und propagandistisch die Realität nicht beschrieben, dazu kommen dann noch Verschwörungstheorien von Ex-AnhängerInnen des Dalai Lama (Trimondi)11 und simplifizierende Kritiker, für die die Welt noch einfach in Gut und Böse zu teilen ist (Goldner, Parenti, u.a.)12. Ich habe mich hier deshalb primär auf wissenschaftliche Texte (Anand, Brauen, Dreyfus, Lopez, Piltz, u.a.)13 und Texte oppositioneller (zur Linie der tibetischen Exilregierung) tibetischer Exilanten (Shakya, Norbu, u.a.)14 gestützt. Ich habe diese Texte hier zum Teil erheblich gegen den Strich gebürstet, ausgehend von meinem Standpunkt als Anarchist und Pazifist. Das heißt dieser Text repr´┐Żsentiert meine Interpretation und setzt sich kaleidoskopartig aus den Eindrücken vieler Texte zusammen.

Ein weiteres Grundproblem ist, daß die Repression in der TAR eine offene Diskussion dort unmöglich macht. Insofern ist es sehr schwierig zu sagen, wo die unterschiedlichen Interessen der dort lebenden Menschen liegen.

Texte zur Kritik von Militarismus, Sexismus und Nationalismus - J.Djuren



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Quellen - Auszug -:

- Anand, Dibyesh, University of Bath - A Contemporary Story of 'Diaspora' The Tibetan Version - in: Diaspora, A Journal of Transnational Studies - No. 12/2 - Toronto, 2003 - Seite 211 bis 229 - http://staff.bath.ac.uk/ecsda/DAnand-DiasporaArticle.pdf
"However, in the case of the Tibetans, nationalism is a product of the diaspora. Imagining Tibet as a nation is, to a large extent, a post-exilic phenomenon .."

- Anand, Dibyesh, University of Bristol - (Re)imagining nationalism: identity and representation in the Tibetan diaspora of South Asia - in: Contemporary South Asia - No. 9(3) - 2000 - Seite 271 bis 287 - http://staff.bath.ac.uk/ecsda/DAnand-Reimagining%20nationalism.pdf

- Anand Dibyesh, University of Bath - Western Colonial Representations of the Other: The Case of Exotica Tibet - in: New Political Science - Volume 29, No. 1 - March 2007 - http://staff.bath.ac.uk/ecsda/DAnandNPSArticleMar07.pdf

- Anderson, Benedict - "Es gibt einen Diaspora-Nationalismus" - taz - Berlin, 5.8.2007 - http://www.taz.de/index.php?id=digitaz-artikel&ressort=ku&art=2724&no_cache=1

- Anderson, Benedict - The Nation as Imagined Community - http://www.nationalismproject.org/what/anderson.htm

- Baumann, Martin - Hoffnungen, Projektionen, Idealisierungen, Buddhismus als Heil aus dem Osten? - Internetpublikation: Pagode Vien-Giac - 23.12.2005 - http://www.viengiac.de/index.php?option=com_content&task=view&id=23&Itemid=31

- Brauen, Martin - Traumwelt Tibet - 2000, Bern

- Brück, Michael von - Tibet, "Festung des Bösen" oder "Paradies auf Erden"? Von den 'Schatten des Dalai Lama' und anderen Projektionen - http://www.tibet.de/tib/tibu/1999/tibu50/50eden.html

- Da Siping; Wangdui und Jianping, Zhang - Galsang Yexei: Ein Tibetologe aus den Reihen der Waisen - in: Beijing Rundschau - http://www.bjreview.cn/g-br/2005-48/2005.48-c-t-1.htm

- Dreyfus, George - Are We Prisoners of Shanngrila? Orientalism, Nationalism, and the Study of Tibet - in: Journal of the International Association of Tibetan Studies - No. 1 - October 2005 - Seite 1 bis 25 - http://www.thdl.org/collections/journal/jiats/index.php?doc=dreyfus01.xml

- Fisher, Andrew Martin - Economic Dimension of Autonomy and the Right to Development in Tibet - Internetpublikation: Center for Human Rights and Democratic Development, Montreal - January 2004 - http://www.dd-rd.ca/site/publications/index.php?id=1361&subsection=catalogue&print=true&show_all=true

- Fisher, Andrew Martin - Urban Fault Lines in Shangri-La: Population and economic foundations of interethnic conflict in the Tibetan areas of Western China - Working Paper Crisis States Programme, No. 42 - June 2004, Development Research Centre, DESTIN, LSE, London - http://www.crisisstates.com/download/wp/wp42.pdf

- Fisher, Andrew Martin - Subsistence Capacity: The comodification of rural labour reaxamined trough the case of Tibet - Working Paper Series (LSE) - No. 06-75 - 2006, LSE London - http://www.lse.ac.uk/collections/DESTIN/pdf/WP75.pdf< -Goldner, Colin - Mönchischer Terror auf dem Dach der Welt - in: Junge Welt - Berlin, 26.3.2008/27.3.2008

-Greive, Martin - Tibets Mittelschicht erhebt sich gegen Peking - in: Die Welt - 22.3.2008 - http://www.welt.de/wirtschaft/article1825580/Tibets_Mittelschicht_erhebt_sich_gegen_Peking.html

-Heberer, Thomas - Peking erläßt die Verwaltungsmaßnahmen für die Reinkarnation lebender Buddhas des tibetischen Buddhismus', Analyse vor dem allgemeinem Hintergrund der TibetFrage - in: Zeitschrift für chinesisches Recht, Heft 1/2008, 15.Jg - Seite 1 bis 9 - http://www.asienhaus.de/public/heberer-tibet-032008.pdf

- Lixiong, Wang - Reflections on Tibet - in: New Left Review, No. 14, March/April 2002 - http://www.newleftreview.org/?view=2380

- Lopez, Donald S. Jr. - Prisoners of Shangri-La - 1998, Chicago

- Norbu, Dawa - The 1959 Tibetan Rebellion: An Interpretation - in: The China Quarterly - No. 77 - March 1979 - Seite 74 bis 93 - http://www.march10.org/images/dawa.pdf

- Norbu, Tsewang - Berlin 1936 Beijing 2008: Viele verblüffende Parallelitäten - 7.8.2008, Berlin - http://www.tibet-protestival.de/downloads/7.8.08%20TN-Rede%20in%20Berlin.pdf

- Norbu, Jamyang - Rangzen: The Case for Independent Tibet - Internetpublikation: Tibet Cafe - 1.3.2007 - http://www.tibet-cafe.net/eu/content/view/1237/

- Norbu, Jamyang - Black Annals: Goldstein & The Negation Of Tibetan History - Internetpublikation: Jamyang Norbu's blog - 19.7.2008 - http://www.jamyangnorbu.com/blog/2008/07/19/black-annals-goldstein-the-negation-of-tibetan-history-part-i-tris/

- O'Neill, Brendan - The 'Free Tibet' movement's use of racial stereotypes against the Chinese people - in: Spiked - 2008 - http://www.spiked-online.com/index.php?/site/article/4975/ - Parenti, Michael - Freundlicher Feudalismus: Der Tibet Mythos - Internetpublikation: michaelparenti.org - 23.3.2008 - http://www.michaelparenti.org/Tibet.html - Phayul - Streamlining effectively discriminates against Tibetans - Internetpublikation: Phayul - 22.1.2005 - http://www.phayul.com/news/tools/print.aspx?id=8864

- Piltz, Åse - Being Tibetan, Internet and Public Identity among Tibetan Youth - 15.9.2006 - Internetpublikation: anpere.net - http://www.anpere.net/2006/8.pdf

- Schell, Orville - Virtual Tibet, Searching for Shangri-La from the Himalayas to Hollywood - 2000 New York

- Shakya, Tsering - Tibetan Questions - in: New Left Review, 51 - May/June 2008 - http://www.newleftreview.org/?view=2720

- Shakya; Tsering - Blood in the Snows - in: New Left Review, No. 15, May/June 2002 - http://www.newleftreview.org/?view=2388

- Shakya, Tsering - The Prisoner - in: New Left Review, 34 - July/August 2005 - http://www.newleftreview.org/?view=2576

- Trimondi, Victor und Victoria - The Shadow of the Dalai Lama - 2003 - http://www.trimondi.de/SDLE/Contents.htm

Texte zur Kritik von Militarismus, Sexismus und Nationalismus - J.Djuren



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Fußnoten

- 1 - Brauen, Martin -Traumwelt Tibet - Wien, 2000

- 2 - Dreyfus, Georges -Are We Prisoners of Shangrila? Orientalism, Nationalism, and the Study of Tibet Journal of the International Association of Tibetan Studies - 1, October 2005 - http://www.thdl.org/collections/journal/jiats/index.php?doc=dreyfus01.xml

- 3 - Piltz, Ase - Being Tibetan, Internet and Public Identity among Tibetan Youth - in: anpere - 2006 / 8 - http://www.anpere.net/2006/8.pdf

- 4 - Dibyesh, Anand - (Re)imagening nationalism: identity and representation in the Tibetan Diaspora of South Asia - in: Contempory South Asia, 9(3) - Seite 271 bis 287 - 2000 - http://staff.bath.ac.uk/ecsda/DAnand-Reimagining%20nationalism.pdf

- 5 - Lixiong, Wang - Reflections on Tibet - in: New Left Review, No. 14, March/April 2002 - http://www.newleftreview.org/?view=2380 -

- 6 - Shakya; Tsering - Bloodin the Snows - in: New Left Review, No. 15, May/June 2002 - http://www.newleftreview.org/?view=2388

- 7 - Shakya, Tsering - Tibetan Questions - in: New Left Review, 51 - May/June 2008 - http://www.newleftreview.org/?view=2720

- 8 - Heberer, Thomas - China erläßt die Verwaltungsmaßnahmen für die Reinkarnation lebender Buddhas des tibetischen Buddhismus', Analyse vor dem allgemeinem Hintergrund der Tibet-Frage - in: Zeitschrift für chinesisches Recht, Heft 1/2008, 15.Jg - Seite 1 bis 9 - http://www.asienhaus.de/public/heberer-tibet-032008.pdf

- 9 - Als Beispiel ein Originalartikel: Da Siping; Wangdui und Jianping, Zhang - Galsang Yexei: Ein Tibetologe aus den Reihen der Waisen - in: Beijing Rundschau - http://www.bjreview.cn/g-br/2005-48/2005.48-c-t-1.htm

- 10 - Als Beispiel ein Originalartikel: Norbu, Tsewang - Berlin 1936 / Beijing 2008: Viele verblüffende Parallelitäten - 7.8.2008, Berlin - http://www.tibet-protestival.de/downloads/7.8.08%20TN-Rede%20in%20Berlin.pdf
Ein Artikel zur Kritik des Free-Tibet-Movements: O'Neill, Brendan - The 'Free Tibet' movement's use of racial stereotypes against the Chinese people - in: Spiked - 2008 - http://www.spiked-online.com/index.php?/site/article/4975/

- 11 - Als Beispiel ein Originalartikel: Trimondi, Victor und Victoria - The Shadow of the Dalai Lama - 2003 - http://www.trimondi.de/SDLE/Contents.htm -

- 12 - Z.B. Michael Parenti und Colin Goldner - z.B. http://www.michaelparenti.org/Tibet.html

- 13 - Z.B. Texte von Donald Lopez, Martin Brauen, u.a.

- 14 - Z.B. Tsering Shakya, Jamyang Norbu, Dawa Norbu, u.a. - z.B. http://www.march10.org/images/dawa.pdf - http://www.tibet-cafe.net/eu/content/view/1237/ -


Texte zur Kritik von Militarismus, Sexismus und Nationalismus - J.Djuren



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Zuletzt aktualisiert 30.10.14





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