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Annemarie Arndt

Drei kurze Theaterstücke über das BürgerInnentum im 21. Jahrhundert

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Theaterstücke

Drei kurze Theaterstücke über das BürgerInnentum im 21. Jahrhundert
- Reader mit allen im folgenden einzeln aufgeführten Theaterstücken -
als PDF (A4) und als ODT-Version.



Bleib sauber!
- Ein Theaterstück zur Erziehung des neuen bürgerlichen Subjektes - die Kinder sind unsere Zukunft -
als HTML, als PDF und als ODT-Version.


Was Ihr wollt
- Ein Famielienidyll -
als HTML, als PDF und als ODT-Version.


fit for fun
- Weiterbildung für die neuen Berufsperspektiven -
als HTML, als PDF und als ODT-Version.





Erstausgabe 2001
Anarchistische Texte für das 21. Jahrhundert
HerausgeberInnengemeinschaft
Paula & Karla Irrliche
Seit 2001



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Die Liebe zu Theatererstücken











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Zuletzt aktualisiert 30.10.14



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Die Liebe zu Theaterstücken


Ich liebe und begehre Theaterstücke, ich besitze inzwischen 1132 unterschiedliche Theaterstücke. Ich kann nie genug bekommen.

Aber sie verstehen mich nicht richtig.

Ich rede nicht von Theaterstücken, sondern von Theaterstücken.
Ginge es um Theaterstücke wäre die Zahl 1132 nicht sehr eindrucksvoll, im Fall von Theaterstücken bedeutet dies aber Reisen und sinnliche Unternehmungen in vielen Ländern der Welt.

Um besser verständlich zu sein, sollte ich vielleicht besser von Stücken von 1130 Theatern dieser Welt reden.
Sie verstehen nicht den Unterschied zu Theaterstücken.

Eins meiner schönsten Theaterstücke ist etwa geformt wie ein halbes Ei mit unebener Schale, dieses Theaterstück hat die Größe eines Enteneis mit einem Spalt in der Mitte und glänzt an einer Abbruchkante je nach Lichteinstrahlung geheimnisvoll bis betöhrend. Ich habe dieses Theaterstück aus Sydney. Es war ein stiller Seitengang, das gespielte Theaterstück übertönte den Lärm, und ich schwitzte, nicht vor Angst, sondern auf Grund der Erwartung. Deshalb ist mir dieses Theaterstück vielleicht so wertvoll.
Ich habe immer Hammer und Meißel dabei.

Mein Deutschlehrer sagte einst, eine wahrhaft leidenschaftliche Literatin könne nie genug Theaterstücke besitzen.
Ich muß ihm beipflichten, jedes Theaterstück steigerte mein Verlangen.

Sicher ich besitze ein Stück Wiener Opernhaus und ein Stück des Amphitheaters in Rom. Und im nächsten Jahr plane ich einen New York Aufenthalt, doch die Zeit wird auch dort zu kurz sein, um allen Theaterstücken, auch nur der Häuser der offiziellen Szene, nahe zu kommen. Außerdem befürchte ich Schwierigkeiten beim Rückflug mit den Kontrollen, ich kann meine neuesten Eroberungen ja schlecht als Theaterstücke deklarieren.

Sie glauben vielleicht die Theaterstücke der berühmten Häuser und antiken Stätten wären für mich die begehrenswertesten.
Doch sie irren sich, gerade die Stücke vieler kleiner Theater haben ihren eigenen Reiz. Und die modernen Materialien führen nicht immer zu langweiligeren Theaterstücken. Sie müssen nur wissen, wo sie den Meißel ansetzen müssen, um die wirklich interessanten Theaterstücke zu finden.
So lassen sich vor allem aus Treppengeländern und Übergängen von einem Material zum anderen faszinierende Theaterstücke herausschlagen.

In neuerer Zeit macht mir aber die Kameraüberwachung zu schaffen. Doch ich bin im Theater immer elegant und verführerrisch gekleidet und zum Glück auch von einem Aussehen, daß die üblicherweise männlichen Wachleute an anderes denken läßt.
Und ich weiß nicht, ob mir die Theaterstücke so wertvoll wären, ohne das Risiko. Und jedes Theaterstück ist ein Stück meines Lebens und meiner Leidenschaft.

In Paris traf ich einen Mann mit einem Steinsplitter eines Theaterstückes, so lernten wir uns kennen. Der Meißel ist abgerutscht, als Mann fühlte er sich sogleich verpflichtet mir diese Arbeit abzunehmen, ich habe ihn dann aus der Zelle freigekauft.

In Zürich wurde ich Zeuge eines Mordes, als ich mich hinter einem Vorhang versteckt hielt, um einen guten Moment für die Ergänzung meiner Sammlung an Theaterstücken abzuwarten. Ich habe mich entschieden die Frau nicht anzuzeigen, der Mann erschien mir zu widerlich.

Ein Theaterstück aus Berlin habe ich in der Pause in aller Öffentlichkeit aus der Wand der Bühne gemeißelt, es war ein völlig verrücktes Gefühl, im Konzept hielten alle ZuschauerInnen und die anwesenden MitarbeiterInnen dies für einen Teil der Aufführung und ich erhielt sogar Applaus und umsonst etwas zu trinken.

Alle Theaterstücke habe ich auf Samt und Seide gebettet, die liebsten Theaterstücke liegen im Schlafzimmer neben meinem Bett.
Zuweilen streiche ich sie über meine Haut.

Falls Sie sich auch für Theaterstücke interessieren, schauen Sie doch einmal vorbei.


I.K., 2008